ZukunftDenken - Weblog

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben!"

(Albert Einstein)

 

In  "ZukunftDenken" gibt's ab sofort regelmäßig Gedanken, Perspektiven und Lesetipps aus den unterschiedlichsten Bereichen zu Fragen, die unsere Zukunft bestimmen ... vielfältig, aber stets aus dem Blickwinkel von Verantwortung und (Menschen-)Würde ...

 

Gesundheit und Wohlbefinden bedingen einander -

Herausforderung für die Medizin des 21. Jahrhunderts

24. Mai 2020

 

„Gesundheit ist das höchste Gut“ ist eine berechtigte und in uns allen zutiefst verankerte Überzeugung, der wir in vielerlei sprichwörtlichen Redewendungen Ausdruck verleihen. „Gesundheit ist alles, aber alles ist nichts ohne Gesundheit“ ist ebenso ein immer wieder verwendetes Statement und eine der häufigsten Glückwunschformulierungen.

 

„Gesundheit ist alles“ - und tatsächlich weit mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Eine umfassende Definition orientiert sich heute mehr denn je an einer ganzheitlichen Betrachtung des Organismus und geht deutlich über offensichtliche medizinische Belange hinaus. Wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens" definiert, wird dem traditionell primär auf die körperlichen Funktionen bezogenen Begriff eine weitere Kategorie zur Seite gestellt: Gesundheit beinhaltet Wohlbefinden aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln heraus betrachtet, körperliche Gesundheit wiederum ist unabdingbarer Teil des Wohlbefindens, das darüber hinaus auch psychische Aspekte und emotionale Empfindungen einbezieht. Beide – Gesundheit und Wohlbefinden – bedingen einander! Der gesunde Organismus kann emotional unausgeglichen sein, mentales Wohlbefinden hingegen kann körperliche Einschränkungen lindern und erträglicher machen. Diese Zusammenhänge ziehen eine Vielzahl praktischer Konsequenzen nach sich: nicht nur für die Medizin und die Begegnung zwischen Patient und Arzt, sondern vor allem auch für uns selbst und unsere ureigenen und alltäglichen Möglichkeiten, Gesundheit zu fördern und zu erhalten – bei uns selbst und natürlich ganz genau so bei unseren Lebenspartnern auf vier Pfoten, deren Leben unserer Obhut anvertraut ist.

 

Werfen wir einen kurzen Blick zurück in die Geschichte des Abendlandes und die Anfänge wissenschaftlichen Denkens im antiken Griechenland ... Damals, einige Jahrhunderte vor Christus, gab es keinen Arzt im heutigen Sinne, keinen Fachmann für die Funktionen des Organismus, sondern „Ärzte“ waren in erster Linie Universalgelehrte, die aus philosophischen Überlegungen praktische Konsequenzen zogen. Auf dieser Grundlage versuchten sie, das Wohlbefinden wiederherzustellen und Körper und Seele aus ihrem Ungleichgewicht, das sich dem antiken Verständnis zufolge in Schmerzen, Fieber und anderen Symptomen zeigte, heraus zu holen. Nicht Gesundheit in unserem heutigen Sinne war das Ziel – die altgriechische Sprache hat nicht einmal ein Wort für „Gesundheit“ im ausschließlich medizinischen Sinn – sondern man strebte etwas anderes an: „Harmonie“ – jene Harmonie, die die Lebenswissenschaften heute als Zustand der Kohärenz, als ausgewogener Zustand verschiedener Aspekte des Lebens bzw. Funktionen des Organismus beschreiben. Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen verstehen diese Harmonie zunehmend als grundlegende Voraussetzung körperlicher Gesundheit und Langlebigkeit.

 

Heute aber haben wir die Chance, nicht „nur“ Harmonie und Wohlbefinden zu finden, sondern mit dem biologischen und medizinischen Wissen des 21. Jahrhunderts auch die körperliche Gesundheit mit effizienten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten sicherzustellen. Der Idealzustand, beide Aspekte auf der Basis von Wissenschaft und Forschung und auf der Grundlage evidenzbasierten Wissens miteinander zu verbinden, ist wahrscheinlich eine der großen Herausforderungen für die Medizin des 21. Jahrhunderts – bei Mensch und Tier gleichermaßen.

 

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ZukunftDenken - für die Zeit NACH der aktuellen Covid-19-Krise

16. Mai 2020

Uns allen ist bewusst: Wir leben in einer Zeit voller Umbrüche und Veränderungen, die wohl niemand von uns noch vor zweieinhalb oder drei Monaten für möglich gehalten hätte. Wir leben in einer wahrhaft dramatischen Zeit – und das im vollständigen Sinne des Wortes, denn dramatische Momente zeichnen sich immer durch Widersprüche aus: Tragik beinhaltet immer auch Perspektiven.

 

Noch sind wir in der Gegenwart umgeben von zahlreichen krisenhaften Zuständen mit vielen individuellen Facetten und Tragödien, aber es wird auch ein „Danach“ geben, eine Zukunft nach der aktuellen Krise. In die Zukunft denken heißt Perspektiven schaffen, heißt Wege aufzeichnen, heißt Zuversicht und Hoffnung leben … Krisen beinhalten Chancen, weil die Tragik neue Perspektiven öffnet.

 

Wir alle ziehen auf unserem Lebensweg an unzähligen Wegweisern vorüber. Allzu oft aber lassen wir diese Hinweise unbeachtet am Rande liegen, allzu oft nehmen wir nur einen kleinen, sehr begrenzten Teil dessen, was uns an und auf diesem Lebensweg begegnet, wirklich bewusst wahr. Irgendwann stehen wir alle – jeder für sich auf seinem ganz individuellen Weg – unweigerlich vor einem unübersehbaren Stopp-Schild, das uns kompromisslos Einhalt gebietet, das zum Innehalten und Nachdenken zwingt, und das uns nicht zuletzt die Möglichkeit der freien Entscheidung für oder gegen eine Richtungsänderung bietet. Das Außergewöhnliche ist, dass dieses unsichtbare, maximal 160 Nanometer große Virus zu einem kollektiven Stopp-Schild für uns alle wurde und zu einer jähen Unterbrechung des gewohnten Lebens auf allen Ebenen führte.

 

In der Zeit NACH Corona wird niemand von uns in die Normalität VOR Corona zurückkehren. Das hat erst einmal gar nichts mit gewohnter oder neuer Normalität, mit behördlichen Regeln oder Sicherheitsmaßnahmen zu tun, sondern vielmehr mit den neuen Erfahrungen, die wir alle gemacht haben: Wir haben existentielle Ängste kennengelernt, die viele von uns sicher in dieser Form nicht kannten, wir haben außergewöhnliche Situationen gelebt, die niemand sich hätte vorstellen können, und wir haben in all diesen Veränderungen vielleicht auch ungeahnte Möglichkeiten erkannt … All das fließt in unsere eigene Lebensgeschichte ein und ist jetzt ein neuer Teil von uns selbst, unserer Lebensgeschichte, unseres Denkens und unserer Persönlichkeit geworden. Und so steht jeder von uns ganz für sich und damit wir alle gemeinsam am Anfang einer neuen Zeit NACH Corona. Das stellt viele zweifellos für große Herausforderungen, das birgt zahllose Schwierigkeiten – und gleichzeitig eröffnet es Chancen und Möglichkeiten, die zu suchen und zu nutzen unser aller große Aufgabe sein wird. Vergessen wir auch angesichts der größten Probleme nie, dass das in letzter Konsequenz durchaus etwas sehr Positives sein kann, etwas, was unser Leben auch reicher macht. Denken wir an einen der bekanntesten Verse des großen Schweizer Dichters Hermann Hesse: „… und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt, und der uns hilft, zu leben.“ …

 

Die Bilder, die Nachrichten, die Situationen der letzten Wochen und Monate waren und sind eindringlich, prägend und unvergesslich für alle Generationen, die sie gerade in den unterschiedlichsten Lebensphasen erleben: Was können wir mitnehmen? Was bleibt? Wo können wir in der Tragik die Perspektive finden?

 

Wir sind den einzig sinnvollen und verantwortbaren Weg gegangen und haben uns auf breitest denkbarer gesellschaftlicher Übereinkunft entschieden, zuerst kompromisslos die Gesundheit und das Leben in den Mittelpunkt der Krisenbewältigung zu stellen und damit das demokratische Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zu schützen – auch wenn andere Grundrechte dafür für einen begrenzten Zeitraum scheinbar in den Hintergrund treten mussten. Mit dieser Vorgangsweise haben wir zugleich ein bedingungsloses und richtungsweisendes Bekenntnis zur Menschenwürde abgelegt …

 

Wir tragen die verstörenden Bilder der Militärkolonnen in uns, die die Leichen aus dem norditalienischen Bergamo Richtung Süden transportierten – und gleichzeitig die Bilder der italienischen Küsten, wo Delfine ihren Lebensraum zurückerobern, und das glasklare Wasser, das uns erstmals den LEBENSgrund der venezianischen Kanäle sehen ließ …

 

Wir hören die Nachrichten aus österreichischen Spitälern: von unendlichem menschlichem Leid, wenn Sterbende und ihre Familien auf Grund der Infektionsgefahr nicht voneinander Abschied nehmen können – und ebenso Berichte, dass junge Mütter und Neugeborene sich deutlich schneller erholen und die medizinischen Komplikationen im Wochenbett signifikant abgenommen haben, auf Grund der Ruhe und Konzentration auf die in diesem Moment wesentlichen Dinge, die das Besuchsverbot mit sich brachte …

 

Wie selten zuvor haben wir die positiven Aspekte und den praktischen Nutzen der Digitalisierung gesehen. Wir konnten (und können) viele Dinge des alltäglichen Gebrauchs in den Online-Shops österreichischer Unternehmen bestellen und damit den notwendigen Richtlinien zur Eindämmung des Virus entsprechend handeln. Wir konnten über Bildtelefon und zahllose Kommunikationskanäle Kontakt zu Freunden und Familie halten und das Social Distancing manchmal auf ein Physical Distancing – noch immer herausfordernd genug – reduzieren. Auf der anderen Seite stehen Fake News und Verschwörungstheorien, die in dieser Pandemie kein Spiel sind, sondern Leben kosten, und die sich nur auf Grund der digitalen Kommunikation und der sozialen Medien in dieser existenzbedrohenden Form und Geschwindigkeit verbreiten können. Überdeutlich erkennen wir darin, wir wichtig für unser Zusammenleben ein umfassendes Kommunikationsverständnis ist, das Verstehen grundlegender Zusammenhänge der Logik, aber auch Empathie und Mitgefühl und wie wesentlich diese Fähigkeiten für unser aller Zukunft sind …

 

Viele von uns haben auf einmal Zeit – scheinbar im Überfluss und vor allem völlig unfreiwillig. In vielen Bereichen können wir unseren Beruf, der uns neben einer gesicherten Existenz auch Erfüllung und Befriedigung bot, aktuell – und in manchen Branchen voraussichtlich noch über Monate hinweg – nicht ausführen. Und gleichzeitig sehen wir: Wenn alte Strukturen wegbrechen, entsteht zugleich Raum für Neues. Aber erst wenn die grundlegenden Bedürfnisse in materieller Hinsicht abgesichert sind, können wir diese Chancen sehen und mit Kreativität füllen. Erst dann ist der Kopf frei, und wir können diese Zeit, die Teil unserer wertvollen Lebenszeit ist, nutzen, um neue Wege einzuschlagen, neue Potenziale zu entdecken, mit denen sich ein ebenso kreativer wie nachhaltiger Beitrag zu unserem gemeinsamen Dasein auf dieser Welt gestalten lässt …

 

Nutzen wir die Zeit – zum ZukunftDenken! Um Perspektiven einer Zukunft zu entwickeln, in der wir ganz selbstverständlich genauso wie durch unser lebensrettendes Verhalten in den letzten Wochen unser Bekenntnis zur Menschenwürde tagtäglich leben ...

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  • Bärbel Backhove (Sonntag, 17. Mai 2020 05:58)

    Wie immer hervorragend. Alles auf den Punkt gebracht.

  • Margarete Bayer (Samstag, 16. Mai 2020 21:11)

    So wertvolle Gedankenanregungen!