ZukunftDenken - Weblog

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben!"

(Albert Einstein)

 

In  "ZukunftDenken" gibt's ab sofort regelmäßig Gedanken, Perspektiven und Lesetipps aus den unterschiedlichsten Bereichen zu Fragen, die unsere Zukunft bestimmen ... vielfältig, aber stets aus dem Blickwinkel von Verantwortung und (Menschen-)Würde ...

 

 

24. Juli 2020

Ein Sommer ohne Bayreuth ... Wagners Plädoyer für Freiheit und Liebe

 

Nein, der Covid-Sommer 2020 ist kein „Sommer wie damals“ … Meine erste intuitive Reaktion auf die Ereignisse im März 2020 war die Überzeugung, mich in einer anderen Welt wiederzufinden, in der die Gesetze, die letzte Woche noch das Leben bestimmten, ihre Gültigkeit verloren hatten. Inzwischen sehe ich meine damalige Überzeugung sowohl in meinem persönlichen Umfeld als auch im gesellschaftlichen Kontext vielfach bestätigt. Auch wenn sich aktuell viele Aspekte vielleicht negativ darstellen und manche gesellschaftlichen Entwicklungen international mit Sorge zu betrachten sind, kann all das meinen unerschütterlichen Glauben an das Gute – im Menschen lasse ich weg, das wäre zu einschränkend – nicht zerstören. In diesen Tagen, in denen normalerweise die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele ihre Tore öffnen, sind mir Gedanken zu Richard Wagner gerade besonders gegenwärtig, Gedanken, die ich teils seit Jahrzehnten in mir trage und die einem deutschnationalen Interpretationsverständnis des Wagnerschen Gesamtwerks durch Teile der Nachwelt stets diametral entgegenstanden, Gedanken, die stattdessen die Utopie einer künftigen Gesellschaft zeichnen – einer Gesellschaft, in der Würde, Freiheit und Menschenliebe das Handeln bestimmen …

 

Werfen wir einen Blick in Wagners „Ring“ und lassen unsere Gedanken ein wenig auf die Wanderschaft gehen: Im Moment ihrer Vereinigung mit Siegfried verliert Brünnhilde ihre Göttlichkeit. Sie ist verwundbar geworden und hat ihre schützende Eingebundenheit in Wotans Welt durch eine neue an Tristan und Isolde gemahnende „unio mystica“ mit Siegfried ersetzt: „So wärst du Siegfried und Brünnhild´? – Wo ich bin, bergen sich beide.“ In ihrer Begegnung mit Waltraute in der „Götterdämmerung“ beginnt nun Brünnhildes Kampf um die neue Weltordnung der Liebe, die fortan jede Göttermacht überstrahlen soll. Aber noch scheitern die neuen Ideale an der bestehenden Gesellschaft. Noch machen Intrigen und menschliche Unreife die große Idee zunichte, und Brünnhilde wird zur scheinbar betrogenen Frau.

Die Wandlung der Göttertochter in ein Menschenweib stellte auf dem Weg zur Verwirklichung der freien Liebe und des Reinmenschlichen einen entscheidenden Schritt dar, aber die Idee einer neuen Menschheit, für die Siegfried und Brünnhilde stellvertretend stehen, muss an der bestehenden Gesellschaft noch scheitern. Erst müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden …bis schließlich die „freieste Tat“ am Ende der „Götterdämmerung“ für Brünnhildes Verwirklichung einer großen allgemeinen Menschheitsliebe steht! Auch wenn Wagner selbst zunächst zwischen zwei unterschiedlichen gedanklichen Konzeptionen zu schwanken, so spricht das musikalische Ende des „Rings“ doch eine deutliche Sprache – und schon 1852 dichtete er jene unmissverständlichen Verse, die in der endgültigen Komposition der universal verständlichen Weltsprache der Musik vorbehalten blieben:

 

„Ihr, blühenden Lebens

bleibend´ Geschlecht:

was ich nun euch melde,

merket es wohl! -

Saht ihr vom zündenden Brand

Siegfried und Brünnhild´ verzehrt;

saht ihr des Rheines Töchter

zur Tiefe entführen den Ring:

nach Norden dann

blickt durch die Nacht!

Erglänzt dort am Himmel

ein heiliges Glühn,

so wisset all,

dass ihr Walhalls Ende gewahrt! -

 

Verging wie Hauch

der Götter Geschlecht,

lass´ ohne Walter

die Welt ich zurück:

meines heiligsten Wissens Hort

weis´ ich der Welt nun zu. -

Nicht Gut, nicht Gold,

noch göttliche Pracht;

nicht Haus, nicht Hof,

noch herrischer Prunk;

nicht trüber Verträge

trügender Bund,

noch heuchelnder Sitte

hartes Gesetz:

selig in Lust und Leid

lässt – die LIEBE nur sein!“

 

Diese Verse, die nicht zuletzt eine Welt in geistiger Freiheit verkünden, ersetzte Wagner später 1856 durch einen schopenhauerisch gefärbten Schluss, in dem Brünnhilde das Bild einer künftigen Menschheit zeichnet, die im Sinne des Philosophen nicht durch Liebe, sondern durch Entsagung erlöst wird:

 

„... Aus Wunschheim zieh ich fort,

Wahnheim flieh ich auf immer;

des ew´gen Werdens

off´ne Tore

schließ´ ich hinter mir zu:

nach dem wunsch- und wahnlos

heiligsten Wahlland,

der Weltwanderung Ziel,

von Wiedergeburt erlöst,

zieht nun die Wissende hin.

Alles Ew´gen

sel´ges Ende,

wisst ihr, wie ich´s gewann?

Trauernder Liebe

tiefstes Leiden

schloss die Augen mir auf:

enden sah ich die Welt.“

 

Keine dieser Fassungen wurde letztlich vertont, aber zumindest musikalisch entschied sich Wagner im Ring für die optimistisch-freiheitlich orientierte Fassung des Jahres 1852. Nicht Machtstreben und Herrschaftsdenken, sondern die Liebe ist die Siegerin dieser widerstreitenden Prinzipien im „Ring“. Zurück bleibt eine Anarchie im wörtlichen – im besten Sinne: eine Herrschaftslosigkeit, aber keine Gesetzlosigkeit! Das Gesetz der Liebe regiert. Brünnhildes an Antigone gemahnender Opfertod wird so zu einem Ende im Zeichen menschheitsumfassender Liebe im Schillerschen-Beethovenschen Sinne. Brünnhilde stirbt am Ende der „Götterdämmerung“ als Mensch für Menschen, und Wagner erkannte in diesem Opfertod jene Moral, die die Hoffnung auf einen Neubeginn zuließ. Wie einst in der „Walküre“ Siegfrieds Leben verkündet wurde, so beschreiben die Violinen am Ende des „Rings“ diese Hoffnung und den Glauben an das ewig Neue mit ihrem Plädoyer für Freiheit und Liebe ...

 

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15. Juli 2020

BUCHTIPP

Sven Plöger: Zieht Euch warm an, es wird heiß! Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von morgen lernen.

Westend Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2020. ISBN 978-3-86489-286-8

 

„Sven Plöger macht keine heiße Luft, sondern bewahrt angesichts der größten Herausforderung der Menschheit einen kühlen Kopf und seinen Humor. Der Meteorologe meines Vertrauens!“ sagt niemand geringerer als der Mediziner und Künstler Eckart von Hirschhausen über das Buch von Deutschlands bekanntesten Klima- und Wetterexperten über den Klimawandel als DIE Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Mit seiner ebenso sachlichen wie verständlichen, optimistischen wie mahnenden Betrachtung und Analyse des Klimawandels schaffte Sven Plöger es mit seinem neuen Buch auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Der Autor, der vor wenigen Wochen zudem mit dem NatureLife-Umweltpreis 2020 ausgezeichnet wurde, schreibt über die Zusammenhänge und Gründe, die zu Trockenheit, Waldschäden und Waldbränden, dann wieder zu Platzregen mit Hagel und Sturmböen führen – und deckt dabei hinsichtlich der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser Thematik immer wieder höchst stimmige Parallelen zur aktuellen Corona-Krise auf. Sven Plöger dramatisiert nicht, sondern erklärt die physikalischen Grundlagen des Klimawandels und entlässt den Leser mit der optimistischen Grundstimmung, dass das 1,5-Grad-Ziel – die Einsparung an CO2-Emissionen müssten dazu jedes Jahr so groß sein wie durch den Shutdown – absolut möglich wäre!

Der Diplom-Meteorologe zeigt in diesem Buch informativ und verständlich, wie unser Klimasystem funktioniert, skizziert Lösungsansätze, der Erderwärmung zu begegnen, und erkennt gerade die aktuelle Corona-Krise als echte Chance, die richtigen Weichen für unsere Zukunft auf diesem Planeten zu stellen. Mit Fakten und Anregungen zu diversen Themen unseres Lebensstils regt er zum Nachdenken an und skizziert dabei zugleich Wege zu einem gesünderen Leben – gesünder für uns und gesünder für unseren Planeten. Und er erklärt die menschlich-allzumenschlichen Gründe dafür, dass Veränderungen ein langer und steiniger Weg sind … Eine lohnende Lektüre – nicht zuletzt mit einem an einigen Stellen durchaus amüsanten und vor allem realitätsnahen Seitenblick auf Argumente und Kommunikationsformen der Klimawandelleugner, deren seit fast zwei Jahrzehnten immer gleichen Argumente der Autor geduldigst widerlegt und dabei gleichzeitig auf die wichtigsten Aspekte in der fachlichen und gesellschaftlichen Vermittlung dieser komplexen Thematik verweist: Nicht missionieren, sondern informieren lautet Plögers Devise – getragen von der Überzeugung, dass die Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema des Klimawandels Zeit braucht – und dass die Menschen auch heute absolut bereit sind, existentiellen Themen diese Zeit zu schenken, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse professionell und verständlich aufbereitet werden. Wer zu einem Thema wirklich etwas zu sagen hat, findet das Gehör der Gesellschaft – auch der Jugend, ist Sven Plöger überzeugt … und der aktuelle Erfolg seines Buchs scheint ihm dabei durchaus Recht zu geben!

 

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7. Juli 2020

Impfen als ethische Verpflichtung

Vorsorge als Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft

 

Kein medizinisches Thema ist weltweit derzeit aktueller als die Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 – mit allen damit verbundenen öffentlichen Stellungnahmen mehr oder meistens weniger relevanter Meinungen. Wissenschaft aber lässt sich per definitionem dankenswerter Weise nur durch eines widerlegen: durch neue wissenschaftliche Ergebnisse, die sich als richtiger erwiesen haben! Nicht durch Fakes, nicht durch Meinungen und Verschwörungstheorien in den Sozialen Medien und auch nicht durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Die Grundaussagen des folgenden Artikels gelten selbstverständlich artübergreifend für jede Spezies und jede Impfung – für die regelmäßige Gesundheitsvorsorge bei unseren Haustieren ebenso wie für die künftige Impfung des Menschen gegen Covid-19 …

 

Eine Impfung schützt nicht nur das einzelne Individuum, sondern die Impfung als eine der bedeutendsten Errungenschaften der modernen Medizin bewirkt weit mehr als gemeinhin angenommen wird: Je mehr Individuen einer Population geimpft sind, desto größer ist auch der Schutz für Nichtgeimpfte! Das gilt für Mensch und Tier gleichermaßen und zeigt, dass die Entscheidung FÜR die Impfung mehr ist als Privatsache. Impfen ist ein Akt der Solidarität und Menschlichkeit, denn mit der Entscheidung zum Impfen kommen wir unserer Verantwortung nach: zum Schutz des uns anvertrauten Lebens und darüber hinaus zum Schutz der Gemeinschaft und all jener, die aus Alters- oder medizinischen Gründen nicht impffähig sind. Und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, ist eine, wenn nicht die entscheidende Komponente, die den Menschen definiert und damit in letzter Konsequenz seine Menschlichkeit ausmacht.

 

Impfen ist Lebensschutz

 

In der Humanmedizin geht man davon aus, dass eine Durchimpfungsrate der Bevölkerung nicht 100% betragen muss, um einen nahezu hundertprozentigen Krankheitsschutz aller zu erreichen, denn die Impfung des Einzelnen schützt auch die Immunität der anderen. Das ist bei unseren vierbeinigen Lebensgefährten ganz genauso und schützt auch hier ebenso wie beim Menschen vor allem jene Individuen, die nicht geimpft werden können – weil sie entweder zu jung oder zu alt sind und infolgedessen oder auch wegen einer Erkrankung an einer Immunsuppression leiden. In diesen Fällen kann und darf man nicht zwingend davon ausgehen, dass das geschwächte Immunsystem eine Infektion – oder auch eine Impfung – abwehren bzw. verarbeiten könnte. So erklärt der verantwortungsvolle Arzt immer wieder aufs Neue, dass im Sinne des Populationsschutzes so viele Menschen respektive Tiere wie möglich geimpft werden sollten, aber das einzelne Individuum entsprechend der jeweils aktuellen Richtlinien so wenig wie möglich!

 

Geimpfte Individuen schützen die Gemeinschaft

 

Jede Impfung bedeutet eine doppelte Schutzmaßnahme: Zum einen kann der Geimpfte selbst nicht ernsthaft erkranken und zum anderen sinkt damit das Risiko, dass er ein anderes Individuum ansteckt, um ein Vielfaches. Denn wenn viele Individuen der Gesamtpopulation geimpft sind, können sich die Krankheitserreger nur mehr sehr eingeschränkt ausbreiten. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass immer weniger Krankheitserreger in die Umwelt gelangen und infolgedessen das Infektionsrisiko für alle Individuen – auch die Ungeimpften! – sinkt.

 

Impfen hat sozialen Aspekt

 

Impfdiskussionen sind Wohlstandsdiskussionen. Darüber hinaus bestätigte eine jüngere Studie der Universität Erfurt, dass die Impfbereitschaft im Humanbereich beispielsweise in asiatischen Ländern generell höher ist. Die Forscher erklären diesen Unterschied mit soziologischen Unterschieden, denn in vielen asiatischen Gesellschaften hat die Gemeinschaft einen sehr viel höheren Stellenwert als in westlichen Ländern, in denen in weiten Teilen der Gesellschaft das individuelle Wohlergehen des Einzelnen im Mittelpunkt des Interesses steht.

Dieser soziale Aspekt der Impfbereitschaft sollte gerade Tierhalter besonders ansprechen, denn Gemeinschaftssinn und Solidarität werden auf der Hundewiese oder im virtuellen Katzenforum intensiv gepflegt. Wir haben auch bei unseren Haustieren, die wir heute als Teil unserer menschlichen Gemeinschaft betrachten, den darwinistischen Ansatz, dass nur die Stärksten ein Lebensrecht haben, längst hinter uns gelassen und wissen um unsere Verantwortung als Teil unseres Menschseins. Jeder geimpfte Hund schützt den entzückenden kleinen Welpen, den ergrauten weisen Senior oder den erkrankten Hund unserer besten Freundin, der nicht impffähig ist. Impfen hat somit einen sozialen Effekt und ist gelebte Verantwortung.

Und dieser soziale Aspekt bedarf in Zeiten von Covid-19 für die menschliche Gemeinschaft keiner weiteren Erklärung.

 

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29. Juni 2020

Zweifel an der menschlichen Einzigartigkeit

 

Gedanken aus Philosophie und Ethik, Kognitionsbiologie und Hirnforschung – Viele Erkenntnisse, die die aktuelle Forschung gerade in diesen Bereichen bietet, stellen das jahrtausendealte anthropozentrische Weltbild, das den Menschen als Maß aller Dinge zum Mittelpunkt des Universums hochstilisiert, zunehmend infrage.

Renommierte Wissenschaftler wie der deutsche Philosoph und Publizist Richard David Precht oder der österreichische Kognitionsbiologe und Wolfsforscher Kurt Kotrschal sprechen immer wieder vom Menschen als einem „anderen Tier“, das sich letztendlich vielleicht nur mehr durch seine Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, von anderen verwandten Tieren unterscheidet. Der Mensch als ein Tier mit Verantwortungsfähigkeit ... dieser Gedanke mag heute für manche Ohren noch provokant klingen, aber in einem fernen Morgen? Es sind immer die großen Visionen, die Menschheitsgeschichte schreiben und die die Gesellschaft voranbringen – umso mehr, wenn diese Ideen und Vorstellungen auf Naturgesetzen basieren. „Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie lässt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird“, schrieb schon Oscar Wilde.

 

„Es gibt zwei Kategorien von Tieren“

 

„Es gibt zwei Kategorien von Tieren. Die eine glaubt, dass es zwei Kategorien von Tieren gibt, und die andere hat darunter zu leiden. (...) In der gegenwärtigen Moral und Rechtsordnung ist der Unterschied zwischen Schimpanse und Mensch größer als jener zwischen Schimpanse und Blattlaus.“ So definiert mit Richard David Precht einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum in seinem Standardwerk „Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“ die beiden Lebensformen Mensch und Tier, deren Verhältnis zueinander weit über das Zusammenleben mit unserem geliebten Vierbeiner hinaus untrennbar mit dem Schicksal unseres Planeten verbunden ist.

Der genetische Unterschied zwischen Schimpansen und Menschen ist mit maximal 1,6 Prozent verschwindend gering. Zwischen Argumenten aus Philosophie und Theologie auf der einen Seite und denen des biologischen Hightech-Labors auf der anderen hinterfragt Precht immer wieder die überlieferten gültigen Definitionen des Menschseins. Dass gerade die monotheistischen Religionen das dualistische Weltbild einer strengen Trennung in Mensch und Tier manifestierten, ist für den Intellektuellen, der dem Menschen die Krone der Schöpfung immer wieder pointiert verweigert, auch Grundlage seiner religionskritischen Sicht: „Doch es spricht nicht allzu viel dafür, dass der Mensch und sein Tun das Ziel der Evolution sind. Bedenkt man die fortgeschrittene Zerstörung des Planeten durch Homo sapiens zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ist es schon etwas befremdlich, das Ziel des mutmaßlichen Schöpfergottes in der Zerstörung seines Werks zu sehen.“

 

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20. Juni 2020

BUCHTIPP

Kurt Kotrschal: Sind wir Menschen noch zu retten?

Gefahren und Chancen unserer Natur

Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2020. ISBN 978-3-7017-3520-5

 

Das neue Buch von Kurt Kotrschal ist in gewisser Weise tröstlich - vor allem aber bietet es den Versuch einer Erklärung verschiedener Phänomene der gegenwärtigen gesellschaftlichen Realität, denen man dennoch trotz gewonnenem Metablick weiterhin unverändert mit Fassungslosigkeit begegnet. Oft genug mag man angesichts vollkommen unverständlicher, nicht nachvollziehbarer und scheinbar menschenunwürdiger Aktionen und Statements im Spektrum unserer Gesellschaft nahezu verzweifeln. Menschen sind von ihren biologischen Anlagen her vernunftbegabte Wesen, die sich ausschließlich in ihren kognitiven Fähigkeiten von anderen Säugetieren quantitativ (nicht qualitativ!) unterscheiden. Die Fähigkeiten zu reflektieren, logisch zu denken, rationale Entscheidungen zu treffen und das alles mittels Sprache hochdifferenziert zu kommunizieren, sind in der menschlichen Ausprägung einzigartig. Wie ist es nun möglich, dass ausgerechnet der Mensch mit diesen universalen biologischen Anlagen unfähig scheint, den öko-sozialen Problemen unserer Zeit angemessen zu begegnen und in einem allgemeinen Konsens Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und nachfolgend zu leben? Das neue Buch von Kurt Kotrschal beschreibt exakt diese Diskrepanz: „Tatsächlich steht der stammesgeschichtlich einzigartige geistige Höhenflug des Homo sapiens in einem absurd paradoxen Kontrast dazu, wie Menschen im Alltag funktionieren, was ihnen wichtig zu sein scheint. Ihr allzu oft irrational scheinendes Verhalten verursacht buchstäblich alle Probleme und Traumata von Mensch und Biosphäre. So kenne ich selbst Naturwissenschaftler, die Kupferarmbänder tragen, Horoskope lesen und homöopathische Globuli schlucken. (…) Menschen fällt es offenbar schwer, ihrer Ratio zu vertrauen, sie neigen stark zum Irrationalen.“

Die Begründung für diesen der menschlichen Natur offensichtlich immanenten tragischen Konflikt findet der Biologe in den evolutionären Wurzeln des Menschen und definiert den Menschen mit Blick auf die Stammesgeschichte einerseits als hochsoziales Wesen, das andererseits egoistisch seinen eigenen Vorteil wahren muss. Die vorrangige Aufgabe der Politik erkennt Kotrschal, 2010 als „Wissenschaftler des Jahres“ ausgezeichnet, in der Schaffung eines gesellschaftlichen Umfelds, das in der Lage ist, diese Gegensätze weitgehend zu entschärfen und gelangt in einer reichen, interdisziplinären Argumentationskette zu einem eindringlichen, gesellschaftspolitischen Plädoyer für die liberale Demokratie. Auf Basis des Wissens um die menschliche Natur ist sich Kurt Kotrschal sicher: Nur eine liberale Demokratie mit breiter Partizipation, Gleichstellung der Geschlechter und starker Gemeinwohlorientierung ist in der Lage, das Überleben des Menschen und des Planeten zu gewährleisten. Weder Patriarchat noch gewaltsame autoritäre Herrschaftsformen haben genug Lösungspotential, um die zahlreichen, auch radikalen Verhaltensänderungen auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene zu fördern, die heute notwendig sind. „Es braucht eine neue faktenorientierte, ,technokratische‘ Rationalität im besten Sinn, die aus der Einsicht über das Versagen und die negativen Auswirkungen der populistischen Politik an Bedeutung gewinnen wird. Der Schlüssel dafür liegt in der Bildung für beide Geschlechter in Balance zwischen technologischen und sozialen Inhalten, vor allem aber in einer gemeinwohlorientierten, demokratischen Organisation, die ja auch für die Natur des Menschen das Optimum darstellt.“

Lesenswert für all diejenigen, die nahezu täglich fassungslos Nachrichten und Statements verfolgen, deren Geist den humanistischen Idealen der Aufklärung diametral entgegensteht …

 

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15. Juni 2020

Zum BEETHOVEN-Jahr 2020

Beethoven für das 21. Jahrhundert

 

Völkerverständigung und Freiheit, Menschenrechte und Klimaschutz – keine Frage: Mit diesem Vokabular befinden wir uns mittendrin in den aktuellen gesellschaftlichen, philosophischen und politischen Diskussionen 2020 – das Jahr, in dem die Welt des 250. Geburtstages eines Künstlers gedenkt, der dank seines Mediums, der universell verständlichen Weltsprache Musik, zu einer globalen Ikone der Menschheitsgeschichte werden konnte: Ludwig van Beethoven. 1770 im rheinischen Bonn, damals eine kleine kurfürstliche Residenzstadt, geboren, fand der junge Musiker schnell seinen Weg heraus aus der Provinz nach Wien, die Kaiserstadt an der Donau, die als Zentrum der habsburgischen Monarchie seinerzeit neben Paris die bedeutendste Kulturmetropole Europas war. Die Weltstadt Wien, ihre unverwechselbare kulturelle Identität und gleichzeitige ideelle Vielfalt machten Beethoven zum Weltbürger – was an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert natürlich keine globale Präsenz bedeutete, sondern vielmehr eine geistige Orientierung umschrieb, deren Ausrichtung einer individuellen Verarbeitung und Interpretation der aktuellen philosophischen Ideen und internationalen gesellschaftshistorischen Prozesse folgte. In Beethovens Verständnis derselben dominierten mit Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, den Idealen der französischen Revolution, und einem in der symphonischen Begrifflichkeit der „Pastorale“ formulierten Naturverständnis Begriffe, die den eingangs erwähnten des 21. Jahrhunderts mehr als nahestehen – Worte und Gedanken, die ähnliche Lösungsansätze für gleiche Fragestellungen und Probleme implizieren. Die Auseinandersetzung mit Beethoven zeigt, dass die großen Themen der Vergangenheit auch die der Zukunft sind. Die Zeit und die Schauplätze mögen sich verändert haben, aber das Stück – die Tragödie? – in den Kulissen des 21. Jahrhunderts berührt die gleichen Themen, die die Menschheit immer begleiteten und die immer aktuell bleiben werden. Dabei werden Fragen gestellt und Probleme thematisiert, die unabhängig von Raum und Zeit sind und die daher auch dementsprechender Lösungen – globaler Lösungen – bedürfen: Wie schaffen wir eine Welt, in der alle Menschen die Chance haben, ihre Potenziale zu leben und ihrem Dasein auf dieser Welt einen Sinn und ein Ziel zu verleihen – und mit diesem sinnerfüllten Leben genau das zu finden, was wir Glück nennen …

 

„Alle Menschen werden Brüder“

 

1823 vertonte Beethoven Friedrich Schillers 1785 verfasste „Ode an die Freude“ im Schlusssatz seiner neunten Symphonie. 1972 erklärte der Europarat diese Melodie zu seiner Hymne. 1985 wurde sie von den EU-Staats- und ‑Regierungschefs als offizielle Hymne der Europäischen Union angenommen. „Ohne Worte, nur in der universellen Sprache der Musik, bringt sie die europäischen Werte Freiheit, Frieden und Solidarität zum Ausdruck“, heißt es dazu noch heute in der offiziellen Begründung der EU. Die Hymne symbolisiere dabei nicht nur die Europäische Union, sondern Europa im weiteren Sinne.

Auch die deutsche Bundesregierung erinnert in ihrem Webauftritt noch heute an jenes denkwürdige Konzert im ehemaligen Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt vom 25. Dezember 1989, als der amerikanische Dirigent und Komponist Leonard Bernstein Beethovens Neunte mit einem internationalen Ensemble mit Musikern aus Ost und West dirigierte und der Friedlichen Revolution und dem Mauerfall ein musikalisches Denkmal setzte: „Freiheit, schöner Götterfunken“ hieß es in dieser denkwürdigen und geschichtsträchtigen Aufführung, in der in Beethovens „Ode an die Freude“ das Wort „Freude“ jedes Mal durch „Freiheit“ ersetzt war.

Schillers Ideal einer Verbrüderung der Menschheit war eine Vision, die Beethoven teilte, die er als Essenz seiner von der Kant’schen Aufklärung geprägten humanistischen Grundhaltung betrachtete und mit der er die „Idee Europa“ lange vor dem Versuch, sie zu politischer Realität zu formen, musikalisch manifestierte. „Alle Menschen werden Brüder“ – Schiller und Beethoven sprechen hier von nichts weniger als von den Grundlagen der Demokratie, deren Basis die Gleichstellung aller Menschen ist. Sie sprechen von nichts weniger als von Menschenrechten und von der Freiheit des Individuums und machen ihre Kunst damit zum Medium ihrer Antwort auf die allgegenwärtigen Menschheitsfragen. „Diesen Kuss der ganzen Welt“ – Schiller und Beethoven präsentieren mit ihrem europäisch-humanistischen Ansatz eine globale Lösung …

 

„… geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht“

 

Nicht nur Leonard Bernstein demonstrierte 1989 im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung  mit dem Schlusssatz der Neunten die gesellschaftspolitische Botschaft der Beethovenschen Musik. 2017 markierte Beethovens 6. Symphonie, die „Pastorale“, die zentrale symbolische Botschaft der 23. Weltklimakonferenz in Bonn und wurde zur Initiale des aktuellen „Beethoven Pastoral Project“, das im Rahmen dieses Gipfels vorgestellt wurde. „Es lag nichts näher, als ein Projekt zu entwickeln, das auf diesem Stück [gemeint ist die „Pastorale“] basiert. Es ist ein Porträt der Natur mit ihrem unermesslichen Reichtum und ihrer Vielfalt“, umschrieb der Musikwissenschaftler Luis Gago das Projekt, das unter der Schirmherrschaft von António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, steht.

Beethovens „Pastorale“ spricht vom Verhältnis von Mensch und Natur, von Gedanken, Gefühlen und Empfindungen, die eine intakte Natur im Menschen zu wecken vermag – seinerzeit erfahrungsbasierte Vorstellungen, heute mit molekularbiologischen Methoden auf empirisch-wissenschaftlicher Basis nachgewiesenes allgemeingültiges Wissen. Beethoven liebte die Natur. „Wie froh bin ich einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können, kein Mensch kann das Land so lieben wie ich – geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht“, schrieb der Komponist in seinem „Heiligenstädter Testament“. Schon damals im frühen Industriezeitalter wurden erste Veränderungen, die die beginnende Industrialisierung mit sich brachte, thematisiert. Freilich, damals war es vorrangig noch der Lärm der Pferdekutschen auf dem innerstädtischen Kopfsteinpflaster, vor dem die Großstädter aufs Land flüchteten, und auch Beethoven genoss seine legendären ausgedehnten Spaziergänge und Wanderungen in der vielfältigen Landschaft des Wiener Walds und der Weinberge vor den Toren der Stadt. Der hymnische Gestus im Finale der „Pastorale“ aber geht ganz im Sinne Beethovenscher Absolutheit über das persönliche Empfinden weit hinaus und gelangt zu einer metaphysischen Darstellung universeller Naturgesetze, deren Allgemeingültigkeit sich auch das menschliche Handeln in all seinen Facetten weder widersetzen noch entziehen kann: Beethovens „Pastorale“ als tönende Mahnung an die Welt gerät so zu einem frühen künstlerischen Manifest der aktuell dominierenden Diskussionen um den Klimaschutz.

 

Völkerverständigung und Freiheit, Menschenrechte und Klimaschutz – das Vokabular des 21. Jahrhunderts war auch jenes dessen, der vor 250 Jahren zur Welt kam: Ludwig van Beethoven …

 

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7. Juni 2020

BUCHTIPP

Marcus Täuber: Gedanken als Medizin.

Wie Sie mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung mentale Selbstheilung aktivieren

Goldegg Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-99060-152-5

 

Die aktuelle Hirnforschung zeigt, dass Gedanken medizinisch wirken. Unser Kopf ist eng mit Immunabwehr, Entzündungen, Hormonen und Muskelspannungen verdrahtet. Wir können mit unserem Denken den Verlauf chronischer Erkrankungen verändern, Demenz verhindern und unsere Lebenserwartung um Jahre steigern.

„Gedanken als Medizin“ erklärt auf Basis der Neurowissenschaft, wie unser Denken und unser Mindset den Weg zu einem gesünderen Lebens weisen können, wie wir mit der Kraft unserer Gedanken Bluthochdruck verbessern, Schmerzen reduzieren und Entzündungsreaktionen hemmen können. Wie wir mit gezielt herbeigeführter Entspannung die Stressreaktionen unseres Körpers verringern und so einen langfristigen Schutz vor vielen Erkrankungen aufbauen können ... Ein gesundes Mindset hat wenig bis nichts mit positivem Denken zu tun. Täuber erklärt, warum das Klischee vom positiven Denken allein nicht schützt, welche Wirkung unsere Überzeugung hat, die Zügel unseres Lebens selbst fest in der Hand zu haben, und wie wir selbst mit der Software unserer Gedanken die Hardware unseres Gehirns so formen und gestalten können, dass am Ende bessere Ergebnisse – für unsere Gesundheit und unser gesamtes Dasein – herauskommen.  

Dr. Marcus Täuber ist promovierter Neurobiologe, Buchautor und Lehrbeauftragter an der Universität Wien sowie der Donau Universität Krems. In „Gedanken als Medizin“ stellt er über spannende Erkenntnisse der Hirnforschung hinaus die GAM-Meditation zur mentalen Aktivierung der Selbstheilung vor und zeigt, wie jede(r) durch Entspannung, Imagination und Spiritualität einen Zugang zu mehr Gesundheit finden kann. Den Anspruch seines Buches fasst er dabei selbst so zusammen: „Wissenschaft und Spiritualität sind keine Feinde. Ohne in die Welt von Auren und Engeln abzugleiten, lässt sich über die Hirnforschung verstehen, was Selbstheilung fördert und welchen Stellenwert unsere Gedanken haben.“

 

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1. Juni 2020

Gesundheit und Wohlbefinden im Alltag fördern: 10 Tipps, was dem vierbeinigen Partner wirklich nutzt ... und bei denen wir sehen, dass es so gut wie keine Unterschiede zu einem die menschliche Gesundheit fördernden Lebensstil gibt!

 

1. Glück als biologisch verankertes Lebensziel


Wir wissen heute viel über die biologischen Grundlagen von Gefühlen und Verhalten, die bei Mensch und Hund in weiten Teilen identisch sind. Wir können unserem vierbeinigen Familienmitglied – und damit letztlich auch uns selbst – einen Lebensstil ermöglichen, der die biologischen Vorgänge im Organismus positiv beeinflusst. So wirkt zum Beispiel Bewegung lebensverlängernd – nicht nur beim Menschen! Stabile Mensch-Hund-Beziehungen verringern sozialen Stress und sind damit ebenso gesundheitsrelevant. Ein ausgeglichenes und zufriedenes Leben in Harmonie mit sich selbst und seiner Umwelt ist der beste Garant für ein langes glückliches Dasein – für Mensch und Tier!

2. Aktivität und Bewegung fördern statt fordern

Aktivität gehört existenziell zum Leben, und Bewegung ist vielleicht der augenscheinlichste Ausdruck des Lebendigen und der Lebensfreude schlechthin! Dieses angeborene und biologisch fixierte Verhalten zu fördern, ist wichtig und richtig. Bewegung reduziert die Stresshormone im Organismus und ist damit eine der besten vorbeugenden Maßnahmen gegen viele lebensverkürzende Erkrankungen. Aktivitäten zu fordern oder im Übermaß zu forcieren, aber kann des Guten zu viel sein. Bewegung muss dem Alter und der individuellen Belastbarkeit des Tieres angepasst sein.

 

3. Ruhephasen statt Überforderung

Gemeinsame Unternehmungen und Erfolge stärken die Bindung – im Moment des Erlebens, und vor allem in den Ruhephasen danach, wenn das Gehirn des Hundes die Geschehnisse verarbeitet und entsprechende Verknüpfungen aufbaut. Derartige Erkenntnisse aus der Wissenschaft in den Alltag oder auch in die klassische Hundeausbildung einzubeziehen, könnte sich für ein harmonisches Zusammenleben bzw. den Trainingserfolg durchaus als vielversprechend erweisen.

 

4. Chronischer Stress beeinträchtigt die Arbeit des Immunsystems

Chronischer Stress führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Kortisol durch die Nebennieren. Dies kann die körpereigene Balance zwischen Stress- und Immunsystem empfindlich stören. Wenn ein Überschuss an Kortisol die Produktion notwendiger Immunbotenstoffe und damit wichtige Abwehrmechanismen blockiert, leidet nicht nur die alltägliche Infektionsabwehr, sondern auch die Fähigkeit des Immunsystems, tumorverdächtige Zellen zu erkennen und unmittelbar zu eliminieren. Chronischen bzw. negativen Stress zu reduzieren, schützt also nicht nur vor vermehrt auftretenden Infektionskrankheiten, sondern ist gleichzeitig eine effektive Tumorprävention.

 

5. „Kuschelhormon“ aktivieren hat positive Folgen

Der Botenstoff Oxytocin – umgangssprachlich als „Kuschelhormon“ in aller Munde – fördert die Bindung zwischen Mensch und Tier und vermindert zudem die neurophysiologischen Auswirkungen von Stress. So gesehen ist beispielsweise die in der Hundeausbildung oder von Züchtern teils heute noch empfohlene Vorgangsweise, einem ängstlichen Hund mit Nicht-Beachtung zu begegnen, um das unerwünschte Verhalten durch Zuwendung nicht zu bestärken, überaus fragwürdig. Gerade bei furchtsamen oder ängstlichen Hunden können gemeinsame Entspannung, Kuscheln und Streicheln über die Ausschüttung von Oxytocin sehr viel Positives für den Organismus bewirken. Nicht zuletzt belegen in diesem Zusammenhang auch epigenetische Studien, dass zärtliche und fürsorgliche Mütter angstfreiere Kinder haben. Oxytocin spielt nicht nur während der Geburt, in den ersten Stunden des Lebens und in der Mutter-Kind-Beziehung eine wichtige Rolle, sondern behält seine beruhigende und Sicherheit vermittelnde Wirkung für den Organismus ein ganzes Leben lang.

 

6. Ernährung ist eine biologische Frage, keine ideologische

Die Ernährung gehört zu den wichtigsten Fragen des Lebens schlechthin, denn sie dient dem Aufbau und der Erneuerung der Körpersubstanz und liefert den notwendigen Energiebedarf für die Lebensvorgänge eines Organismus. Die Versorgung des Körpers mit allen notwendigen Nährstoffen ist die biologische Grundlage seiner Funktionsfähigkeit, aber gerade der ideologische Diskussionsstoff rund um diese Thematik scheint grenzenlos: Barfen wird zum Allerheilmittel stilisiert, oder der Hund soll die eigene Ethik mittragen und zum Vegetarier oder Veganer werden. Und die Gerüchteküche, die insbesondere in kommerziellem Fertigfutter immer wieder Inhaltsstoffe vermutet, die in keinerlei Zusammenhang mit Ernährung stehen, ist bunt und vielfältig. Fundierte Ratschläge zur optimal auf das jeweilige Lebensalter abgestimmten Ernährung oder zur korrekten Zusammensetzung einer Barf-Ration sind ausschließlich beim auf Ernährung spezialisierten Fachtierarzt zu bekommen!

 

7. Passivrauchen begünstigt Tumorwachstum – auch bei Haustieren!

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beziffert die weltweiten Todesfälle durch Passivrauchen pro Jahr auf 600.000, allein in Österreich sterben zwei bis drei Personen täglich als Folge des Passivrauchens. Eine der Hauptursachen für das durch Passivrauchen verursachte Versagen der Immunabwehr gegen Tumoren ist die organische Verbindung Acrolein, die über den sogenannten Seitenstromrauch beim Rauchen an die Umwelt weitergegeben wird. Diese Substanz unterdrückt Teile der Immunantwort und kurbelt so das Tumorwachstum an – nicht nur während des Rauchens bzw. Passivrauchens, sondern auch danach, denn Acrolein heftet auch an Tischplatten, an Kleidung und Vorhängen, und kann so auch noch nach dem eigentlichen Rauchen von Mensch und Tier über die Haut aufgenommen werden.

 

8. Auch beim Kauf von Hundespielzeug an die Gesundheit denken

Zu den gesundheitsrelevanten Umwelteinflüssen, die sich zum Teil leicht vermeiden lassen, gehört die Interaktion des Organismus mit chemischen Stoffen. So werden beispielsweise die Risiken von Bisphenol A, das vielfach in Plastikspielzeug für Hunde enthalten ist, nur selten thematisiert. Denken wir nur an das für Welpen und Junghunde so beliebte bunte Bällebad! Heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge können diese Chemikalien das genetische Erbgut der Körperzellen verändern und so u.a. krebserregend wirken. Die Suche nach Bisphenol-A-freiem Spielzeug ist ein wertvoller Beitrag zur Gesundheitsvorsorge.

 

9. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten

Die Vorsorgeuntersuchung sollte auch für unseren besten Freund auf vier Pfoten zur Selbstverständlichkeit werden, denn bei vielen Erkrankungen kann Früherkennung Leben retten! Der richtige Zeitpunkt für den Beginn dieser lebenswichtigen Präventivmaßnahme hängt von der Rasse und vor allem von der Größe des Hundes ab. Bei großen Rassen empfiehlt sich eine jährliche Vorsorgeuntersuchung, die eine vollständige klinische Untersuchung, ein Blutbild, eine blutchemische Analyse mit Organparametern und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes umfassen und jährlich wiederholt werden sollte, spätestens ab dem vollendeten 7. Lebensjahr, bei kleinen Rassen entsprechend später.

 

10. Frühzeitige Information = aktive Gesundheitsvorsorge

Solange noch Spaß und Spiel auf der Hundewiese den Alltag mit unserem Vierbeiner bestimmen und wir unbeschwert durch Wald und Flur streifen, ist der richtige Zeitpunkt, sich bewusst zu machen, dass dies nicht für immer so bleiben wird. Gerade diese Phase des entspannten, unbelasteten Zusammenlebens ist der richtige Zeitpunkt, sich über mögliche Erkrankungen zu informieren und die eigene Reaktion im Ernstfall zu planen. Die Vorbereitung darauf, dass Lebensqualität veränderlich ist und eines Tages andere Anforderungen an uns und unseren Vierbeiner stellt, ist Teil einer aktiven Gesundheitsvorsorge. Sie kann uns das Entscheiden und Handeln in der konkreten Situation eines Tages grundlegend erleichtern.

 

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  • Leonore (Mittwoch, 03. Juni 2020 10:11)

    Meine Carina sagt danke für die tollen Tipps :)

 

Gesundheit und Wohlbefinden bedingen einander -

Herausforderung für die Medizin des 21. Jahrhunderts

24. Mai 2020

 

„Gesundheit ist das höchste Gut“ ist eine berechtigte und in uns allen zutiefst verankerte Überzeugung, der wir in vielerlei sprichwörtlichen Redewendungen Ausdruck verleihen. „Gesundheit ist alles, aber alles ist nichts ohne Gesundheit“ ist ebenso ein immer wieder verwendetes Statement und eine der häufigsten Glückwunschformulierungen.

 

„Gesundheit ist alles“ - und tatsächlich weit mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Eine umfassende Definition orientiert sich heute mehr denn je an einer ganzheitlichen Betrachtung des Organismus und geht deutlich über offensichtliche medizinische Belange hinaus. Wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens" definiert, wird dem traditionell primär auf die körperlichen Funktionen bezogenen Begriff eine weitere Kategorie zur Seite gestellt: Gesundheit beinhaltet Wohlbefinden aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln heraus betrachtet, körperliche Gesundheit wiederum ist unabdingbarer Teil des Wohlbefindens, das darüber hinaus auch psychische Aspekte und emotionale Empfindungen einbezieht. Beide – Gesundheit und Wohlbefinden – bedingen einander! Der gesunde Organismus kann emotional unausgeglichen sein, mentales Wohlbefinden hingegen kann körperliche Einschränkungen lindern und erträglicher machen. Diese Zusammenhänge ziehen eine Vielzahl praktischer Konsequenzen nach sich: nicht nur für die Medizin und die Begegnung zwischen Patient und Arzt, sondern vor allem auch für uns selbst und unsere ureigenen und alltäglichen Möglichkeiten, Gesundheit zu fördern und zu erhalten – bei uns selbst und natürlich ganz genau so bei unseren Lebenspartnern auf vier Pfoten, deren Leben unserer Obhut anvertraut ist.

 

Werfen wir einen kurzen Blick zurück in die Geschichte des Abendlandes und die Anfänge wissenschaftlichen Denkens im antiken Griechenland ... Damals, einige Jahrhunderte vor Christus, gab es keinen Arzt im heutigen Sinne, keinen Fachmann für die Funktionen des Organismus, sondern „Ärzte“ waren in erster Linie Universalgelehrte, die aus philosophischen Überlegungen praktische Konsequenzen zogen. Auf dieser Grundlage versuchten sie, das Wohlbefinden wiederherzustellen und Körper und Seele aus ihrem Ungleichgewicht, das sich dem antiken Verständnis zufolge in Schmerzen, Fieber und anderen Symptomen zeigte, heraus zu holen. Nicht Gesundheit in unserem heutigen Sinne war das Ziel – die altgriechische Sprache hat nicht einmal ein Wort für „Gesundheit“ im ausschließlich medizinischen Sinn – sondern man strebte etwas anderes an: „Harmonie“ – jene Harmonie, die die Lebenswissenschaften heute als Zustand der Kohärenz, als ausgewogener Zustand verschiedener Aspekte des Lebens bzw. Funktionen des Organismus beschreiben. Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen verstehen diese Harmonie zunehmend als grundlegende Voraussetzung körperlicher Gesundheit und Langlebigkeit.

 

Heute aber haben wir die Chance, nicht „nur“ Harmonie und Wohlbefinden zu finden, sondern mit dem biologischen und medizinischen Wissen des 21. Jahrhunderts auch die körperliche Gesundheit mit effizienten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten sicherzustellen. Der Idealzustand, beide Aspekte auf der Basis von Wissenschaft und Forschung und auf der Grundlage evidenzbasierten Wissens miteinander zu verbinden, ist wahrscheinlich eine der großen Herausforderungen für die Medizin des 21. Jahrhunderts – bei Mensch und Tier gleichermaßen.

 

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ZukunftDenken - für die Zeit NACH der aktuellen Covid-19-Krise

16. Mai 2020

Uns allen ist bewusst: Wir leben in einer Zeit voller Umbrüche und Veränderungen, die wohl niemand von uns noch vor zweieinhalb oder drei Monaten für möglich gehalten hätte. Wir leben in einer wahrhaft dramatischen Zeit – und das im vollständigen Sinne des Wortes, denn dramatische Momente zeichnen sich immer durch Widersprüche aus: Tragik beinhaltet immer auch Perspektiven.

 

Noch sind wir in der Gegenwart umgeben von zahlreichen krisenhaften Zuständen mit vielen individuellen Facetten und Tragödien, aber es wird auch ein „Danach“ geben, eine Zukunft nach der aktuellen Krise. In die Zukunft denken heißt Perspektiven schaffen, heißt Wege aufzeichnen, heißt Zuversicht und Hoffnung leben … Krisen beinhalten Chancen, weil die Tragik neue Perspektiven öffnet.

 

Wir alle ziehen auf unserem Lebensweg an unzähligen Wegweisern vorüber. Allzu oft aber lassen wir diese Hinweise unbeachtet am Rande liegen, allzu oft nehmen wir nur einen kleinen, sehr begrenzten Teil dessen, was uns an und auf diesem Lebensweg begegnet, wirklich bewusst wahr. Irgendwann stehen wir alle – jeder für sich auf seinem ganz individuellen Weg – unweigerlich vor einem unübersehbaren Stopp-Schild, das uns kompromisslos Einhalt gebietet, das zum Innehalten und Nachdenken zwingt, und das uns nicht zuletzt die Möglichkeit der freien Entscheidung für oder gegen eine Richtungsänderung bietet. Das Außergewöhnliche ist, dass dieses unsichtbare, maximal 160 Nanometer große Virus zu einem kollektiven Stopp-Schild für uns alle wurde und zu einer jähen Unterbrechung des gewohnten Lebens auf allen Ebenen führte.

 

In der Zeit NACH Corona wird niemand von uns in die Normalität VOR Corona zurückkehren. Das hat erst einmal gar nichts mit gewohnter oder neuer Normalität, mit behördlichen Regeln oder Sicherheitsmaßnahmen zu tun, sondern vielmehr mit den neuen Erfahrungen, die wir alle gemacht haben: Wir haben existentielle Ängste kennengelernt, die viele von uns sicher in dieser Form nicht kannten, wir haben außergewöhnliche Situationen gelebt, die niemand sich hätte vorstellen können, und wir haben in all diesen Veränderungen vielleicht auch ungeahnte Möglichkeiten erkannt … All das fließt in unsere eigene Lebensgeschichte ein und ist jetzt ein neuer Teil von uns selbst, unserer Lebensgeschichte, unseres Denkens und unserer Persönlichkeit geworden. Und so steht jeder von uns ganz für sich und damit wir alle gemeinsam am Anfang einer neuen Zeit NACH Corona. Das stellt viele zweifellos für große Herausforderungen, das birgt zahllose Schwierigkeiten – und gleichzeitig eröffnet es Chancen und Möglichkeiten, die zu suchen und zu nutzen unser aller große Aufgabe sein wird. Vergessen wir auch angesichts der größten Probleme nie, dass das in letzter Konsequenz durchaus etwas sehr Positives sein kann, etwas, was unser Leben auch reicher macht. Denken wir an einen der bekanntesten Verse des großen Schweizer Dichters Hermann Hesse: „… und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt, und der uns hilft, zu leben.“ …

 

Die Bilder, die Nachrichten, die Situationen der letzten Wochen und Monate waren und sind eindringlich, prägend und unvergesslich für alle Generationen, die sie gerade in den unterschiedlichsten Lebensphasen erleben: Was können wir mitnehmen? Was bleibt? Wo können wir in der Tragik die Perspektive finden?

 

Wir sind den einzig sinnvollen und verantwortbaren Weg gegangen und haben uns auf breitest denkbarer gesellschaftlicher Übereinkunft entschieden, zuerst kompromisslos die Gesundheit und das Leben in den Mittelpunkt der Krisenbewältigung zu stellen und damit das demokratische Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zu schützen – auch wenn andere Grundrechte dafür für einen begrenzten Zeitraum scheinbar in den Hintergrund treten mussten. Mit dieser Vorgangsweise haben wir zugleich ein bedingungsloses und richtungsweisendes Bekenntnis zur Menschenwürde abgelegt …

 

Wir tragen die verstörenden Bilder der Militärkolonnen in uns, die die Leichen aus dem norditalienischen Bergamo Richtung Süden transportierten – und gleichzeitig die Bilder der italienischen Küsten, wo Delfine ihren Lebensraum zurückerobern, und das glasklare Wasser, das uns erstmals den LEBENSgrund der venezianischen Kanäle sehen ließ …

 

Wir hören die Nachrichten aus österreichischen Spitälern: von unendlichem menschlichem Leid, wenn Sterbende und ihre Familien auf Grund der Infektionsgefahr nicht voneinander Abschied nehmen können – und ebenso Berichte, dass junge Mütter und Neugeborene sich deutlich schneller erholen und die medizinischen Komplikationen im Wochenbett signifikant abgenommen haben, auf Grund der Ruhe und Konzentration auf die in diesem Moment wesentlichen Dinge, die das Besuchsverbot mit sich brachte …

 

Wie selten zuvor haben wir die positiven Aspekte und den praktischen Nutzen der Digitalisierung gesehen. Wir konnten (und können) viele Dinge des alltäglichen Gebrauchs in den Online-Shops österreichischer Unternehmen bestellen und damit den notwendigen Richtlinien zur Eindämmung des Virus entsprechend handeln. Wir konnten über Bildtelefon und zahllose Kommunikationskanäle Kontakt zu Freunden und Familie halten und das Social Distancing manchmal auf ein Physical Distancing – noch immer herausfordernd genug – reduzieren. Auf der anderen Seite stehen Fake News und Verschwörungstheorien, die in dieser Pandemie kein Spiel sind, sondern Leben kosten, und die sich nur auf Grund der digitalen Kommunikation und der sozialen Medien in dieser existenzbedrohenden Form und Geschwindigkeit verbreiten können. Überdeutlich erkennen wir darin, wir wichtig für unser Zusammenleben ein umfassendes Kommunikationsverständnis ist, das Verstehen grundlegender Zusammenhänge der Logik, aber auch Empathie und Mitgefühl und wie wesentlich diese Fähigkeiten für unser aller Zukunft sind …

 

Viele von uns haben auf einmal Zeit – scheinbar im Überfluss und vor allem völlig unfreiwillig. In vielen Bereichen können wir unseren Beruf, der uns neben einer gesicherten Existenz auch Erfüllung und Befriedigung bot, aktuell – und in manchen Branchen voraussichtlich noch über Monate hinweg – nicht ausführen. Und gleichzeitig sehen wir: Wenn alte Strukturen wegbrechen, entsteht zugleich Raum für Neues. Aber erst wenn die grundlegenden Bedürfnisse in materieller Hinsicht abgesichert sind, können wir diese Chancen sehen und mit Kreativität füllen. Erst dann ist der Kopf frei, und wir können diese Zeit, die Teil unserer wertvollen Lebenszeit ist, nutzen, um neue Wege einzuschlagen, neue Potenziale zu entdecken, mit denen sich ein ebenso kreativer wie nachhaltiger Beitrag zu unserem gemeinsamen Dasein auf dieser Welt gestalten lässt …

 

Nutzen wir die Zeit – zum ZukunftDenken! Um Perspektiven einer Zukunft zu entwickeln, in der wir ganz selbstverständlich genauso wie durch unser lebensrettendes Verhalten in den letzten Wochen unser Bekenntnis zur Menschenwürde tagtäglich leben ...

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  • Bärbel Backhove (Sonntag, 17. Mai 2020 05:58)

    Wie immer hervorragend. Alles auf den Punkt gebracht.

  • Margarete Bayer (Samstag, 16. Mai 2020 21:11)

    So wertvolle Gedankenanregungen!