ZukunftLesen - Buchblog

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben!"

(Albert Einstein)

 

In  "ZukunftLesen" gibt's regelmäßig Lesetipps zu den unterschiedlichsten Fragen und Problemen, die die aktuelle gesellschaftliche Diskussion und unsere Zukunft bestimmen ... vielfältig, aber stets aus dem Blickwinkel von Verantwortung und (Menschen-)Würde ...

 

 

8. Oktober 2020

Sebastian Bohrn Mena: Besser essen. Wie wir über unseren Teller die Welt gestalten. Mit einem Vorwort von Jane Goodall

Goldegg Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-99060-179-2

 

Was wir auf unserem Teller haben, entscheidet mit über die Entwicklung der Welt. Sebastian Bohrn Mena, Ökonom und Publizist, der sich für Menschenrechte, Naturschutz und Tierwohl engagiert, ist insbesondere als Initiator des österreichischen Tierschutzvolksbegehrens einer großen Öffentlichkeit bekannt. Erst vor wenigen Tagen wurde ihm die Albert Schweitzer Medaille für humanitäre Verdienste verliehen. In seinem aktuellen Buch bietet er eine neue Perspektive für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Tieren und unserer Umwelt und macht Zusammenhänge sichtbar, die im gesellschaftlichen Alltag nicht unbedingt präsent sind. „Wenn wir im Restaurant ein Steak unbekannter Herkunft essen, essen wir auch den brandgerodeten Regenwald, das genmanipulierte Kraftfutter und das Leid der Tiere“, schreibt Bohrn Mena, der seinem eigenen Anspruch, den Leser zu informieren und dabei gleichzeitig verbindend zu wirken, durchgehend gerecht wird. Seiner Intention, Feindbilder zu überwinden und Brücken zu bauen, wird der Autor vollends gerecht, wenn er ein ungeschminktes Bild der realen bäuerlichen Existenz zeichnet und das enge Geflecht wirtschaftlicher Zusammenhänge beschreibt. Dabei bietet das Buch eine argumentationsreiche und umfassende Grundlage für selbstbestimmte Entscheidungen des Konsumenten, um letztlich zu einer packenden Vision eines umfassenden Wandels hin zu einer ökologisch-solidarischen Gesellschaft und einem leidenschaftlichen Appell, diesen unser Überleben sichernden Wandel GEMEINSAM zu vollziehen – fernab jeder ideologischen Parteipolitik als reife Zivilgesellschaft.

Sebastian Bohrn Mena zeigt, dass das unbewusste Konsumieren Kosten nach sich zieht, die Schäden an Tieren, Umwelt und Klima, den Niedergang der kleinbäuerlichen heimischen Landwirtschaft und die Verödung ländlicher Gebiete umfassen. „Für den Profit weniger Großkonzerne zahlen viele Menschen, Tiere und die Umwelt. Alles wird dem unbegrenzten Wirtschaftswachstum untergeordnet. Wenn wir noch länger die Augen vor dieser ungerechten Kostenaufteilung verschließen, wird die Last für unsere Nachkommen umso größer – doch wenn wir den Mut aufbringen, hinzusehen, können wir jetzt etwas dagegen unternehmen. Bohrn Mena appelliert an unsere Solidarität und macht klar: Als Individuum und im Kollektiv haben wir Macht, zu verändern und zu gestalten“, ist Bohrn Mena überzeugt. „Unsere Ernährung können wir in einer globalisierten und digitalisierten Welt unmittelbar steuern und entscheiden damit mit über die Entwicklung der Welt. Transparenz über Herkunft und Geschichte der Waren befähigt uns als mündige Konsumenten bewusste Kaufentscheidungen treffen. Mit vielen kleinen bewussten Handlungen können wir einen Beitrag zu einer anderen Welt leisten. Denn menschengemachte Probleme können vom Menschen gestoppt werden.“

Sebastian Bohrn Mena stellt in seinen Argumentationen viele einzelne Probleme in einen großen substantiellen Zusammenhang: in einer Sprache, die leicht zu lesen ist, mit wohldosierten Hintergrundinformationen, die das Gesagte belegen, ohne in eine wissenschaftliche Abhandlung zu rutschen. Dazu ist das Buch persönlich, feinsinnig und empathisch. Ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, schildert der Autor Momente des persönlichen Erlebens, betont den bedeutsamen Wert der eigenen unmittelbaren Erfahrungswelt, die das zu wecken vermag, was wirklich notwendig ist: MitGEFÜHL! Wir brauchen kein MitLEID, hervorgerufen durch abertausende Schocknachrichten in den (sozialen) Medien, sondern MitGEFÜHL mit der Natur und unseren Mitgeschöpfen. Dieses Mitgefühl entsteht, wenn wir mit anderen Lebewesen in Berührung kommen und die daraus entstehenden Empfindungen zulassen. „Es ist diese Form der Erfahrung, die zu einer inneren Veränderung führt“, ist Bohrn Mena überzeugt und appelliert, diese Veränderungen in uns über alle ideologischen und parteipolitischen Grenzen hinweg in die Welt zu tragen. „Danke, Sebastian, dass Sie dieses Buch geschrieben haben“ sagt denn auch niemand geringerer als die Forscherin und UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall, deren Geleitwort am Beginn dieser inspirierenden Lektüre steht.

  

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28. September 2020

Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens.

Goldmann Verlag, München 2020. ISBN: 978-3-442-31561-1

 

Mit Richard David Precht widmet sich einer der bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit einem der wichtigsten Themen für die Zukunft der Menschheit. In seinem aktuellen Buch mahnt der Vordenker, wahrscheinlich der einzige, der gegenwärtig dem klassischen Bild des Philosophen als Universalgelehrten entspricht, dass es angesichts des Tempos, mit dem der Einsatz künstlicher Intelligenz unsere Welt verändert, „höchste Zeit“ ist, „darüber nachzudenken, was Maschinen erlaubt sein darf – und was auf keinen Fall!“

Während die drohende Klimakatastrophe und der enorme Ressourcenverbrauch der Menschheit den Planeten zerstört, machen sich Informatiker und Ingenieure daran, die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz voranzutreiben, die alles das können soll, was wir Menschen auch können – nur vielfach »optimierter«. Ausgehend von völlig falschen Annahmen soll den Maschinen sogar eine menschenähnliche Moral einprogrammiert werden. Richard David Precht macht uns eindringlich klar, dass das nicht möglich ist. Denn unser Leben besteht nicht aus der Abfolge vorausberechneter Schritte. Wir sind viel mehr als das.

Dabei setzt Precht nicht nur Maßstäbe, sondern steckt das Themenfeld ab, das im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen stehen muss. Sprachlich und gedanklich feinst differenziert gelangt Precht über eine mehr oder weniger Generalabrechnung mit dem Silicon Valley zu einer eindringlichen Mahnung an die Menschheit und einem leidenschaftlichen Plädoyer für die liberale Demokratie, um letztlich konsequent die Sinnfrage menschlichen Lebens zu diskutieren. Die feinsinnige Unterscheidung zwischen Glück und Sinn, die differenzierte Argumentation, in der sprachliche Feinheiten die Gefahren vieler Entwicklungen – und vor allem jener, die sie vorantreiben – darstellen, und das bedingungs- und kompromisslose Statement, dass (menschliches) Leben nicht verrechenbar ist (im Übrigen auch eine der aktuellsten Thesen in Bezug auf die gegenwärtigen Corona-Diskussionen!), machen Prechts Essay zu einem zusammenfassenden Dokument der dringlichsten Fragen unserer Zeit, die schnell gelöst werden müssen – wenn wir sie noch als Menschen lösen wollen ...

Für Precht stehen angesichts der Entwicklungen und Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz nichts mehr und nichts weniger auf dem Spiel als die Menschenwürde: „Die perfekte, reibungslos funktionierende Logistik des Massenmords gilt uns als äußerste Form der Unmenschlichkeit. Und wenn zukünftig nicht mehr Menschen über den Lebenswert von Menschen richten, sondern Maschinen, ist der erste Grundrechtsartikel des [deutschen, Anm. d. Red.] Grundgesetzes das Papier nicht mehr wert, auf dem er steht.“

 

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8. September 2020

Marcus Wadsak: Klimawandel. Fakten gegen Fake & Fiction

Braumüller, Wien, ISBN 978-3-99100-303-8

 

Wer denkt beim Stichwort „Klimawandel“ noch an verzweifelte Eisbären auf dahinschmelzenden Eisschollen? Wir sind längst selbst davon betroffen. Hitzewellen, Dürren und sommerliche Tage im Spätherbst lassen keinen Zweifel mehr zu: Es wird immer heißer. Niemand hat diese Veränderungen unserer Umwelt genauer im Blick als der Wetterexperte Marcus Wadsak, Meteorologe sowie Radio- und Fernsehmoderator. Nach dem Studium der Meteorologie an der Universität Wien kam er zum ORF, war jahrelang Wetter-Anchor im Ö3-Wecker, moderiert seit 2004 das ZiB-Wetter und leitet seit 2012 die ORF-Wetterredaktion. 2019 wurde er zum Journalisten des Jahres in der Kategorie Wissenschaft gewählt. Er ist Gründungsmitglied von Climate without Borders.

 

Was passiert gerade mit unserem Planeten? Und vor allem: Was können wir tun, damit auch unsere Kinder und Enkel noch gut hier leben können? Dieses Buch ist eine kompakte Informationsquelle auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft – mit dem Alleinstellungsmerkmal, dass ein Großteil der zitierten Daten sich spezifisch auf Österreich bezieht. Natürlich werden diese Veränderungen darüber hinaus in einen europäischen und internationalen Vergleich bzw. Kontext gestellt. Gleichzeitig erfährt der Leser, warum Österreich stärler betroffen ist als andere Teile der Welt. Ebenfalls mit aktuellem Österreich-Bezug formuliert Wadsak die Hoffnung, dass „man also endlich auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse Politik machen will“ und zeichnet einfache Handlungsmöglichkeiten in den verschiedensten Lebensbereichen auf, die jeder als seinen persönlichen Beitrag zum bestmöglichen Umgang mit dem unaufhaltsamen Klima-Veränderungen unmittelbar umsetzen kann.

 

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21. August 2020

Klaus Nüchtern, Thomas Walach (Hg.): „Unser Land. Wie wir Heimat herstellen“

Falter Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-85439-667-3

 

„Es geht darum, abseits von Sentimentalität und Abwehraggression danach zu fragen, welche Heimatangebote unser Land all jenen Menschen machen kann, die hier leben wollen.“ So erklären die Herausgeber die Intention dieses Sammelbands mit Beiträgen unterschiedlichster Autoren, die sich dem hochemotional besetzten Begriff Heimat aus unterschiedlichen Perspektiven nähern. In analytischen – als herausragend sei hier stellvertretend die Analyse von Sybille Hamann erwähnt –, teils auch persönlichen Beiträgen treffen zwölf gedankliche Ansätze aufeinander, denen eine Aussage gemeinsam ist: Heimat ist nicht naturgegeben und unveränderlich, sondern etwas, das im Laufe eines Lebens aus vielerlei Aspekten der persönlichen Biographie entsteht. Eine Heimat zu haben setzt immer eine bewusste innere Einstellung und eine Auseinandersetzung mit der eigenen Weltsicht voraus.

 

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9. August 2020

Dr. med. Petra Bracht, Prof. Dr. Claus Leitzmann: Klartext Ernährung. Die Antworten auf alle wichtigen Fragen. Wie Lebensmittel vorbeugen und heilen

Mosaik Verlag, München 2020. ISBN 978-3-442-39359-6

 

„Klartext Ernährung“ hält, was der Titel verspricht: Die bekannte Ernährungsmedizinerin Petra Bracht und der renommierte Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann sprechen absolut Klartext und erklären ebenso umfassend wie strukturiert und verständlich, warum eine pflanzlich basierte Ernährung das optimale Werkzeug ist, die Gesundheit des Menschen zu erhalten oder in vielen Fällen auch wieder herzustellen. Auf gut 600 Seiten teilen sie ihr medizinisches Wissen und ihre praxisorientierte Erfahrung mit ihren Lesern und Leserinnen. 600 Seiten, die vor allem auf Grund der kleingliedrigen Strukturierung des Inhalts leicht lesbar sind und die darüber hinaus auch nach der ersten Lektüre dauerhaft als umfassendes Nachschlagewerk zu speziellen Fragen dienen können.

Im ersten Teil informieren die Autoren über den Weg zu einer optimalen Ernährung, bevor sie sich im zweiten Teil einem notwendigen Basiswissen über den menschlichen Organismus, seine biologischen Mechanismen und sein Verdauungssystem widmen. Teil drei schließlich liefert detaillierte Infos zu einzelnen Lebemsmitteln und Nährstoffen. Damit bieten die Ernährungsmedizinerin und der -wissenschaftler dem Leser eine notwendige Orientierung in der Vielfalt einander oftmals widersprechender Ernährungsempfehlungen verschiedenster Quellen und leiten den Blick insbesondere auf das Potenzial einer gesunden Ernährung, den Organismus vor Krankheiten zu schützen und ein bewusstes Leben zu führen - und gleichzeitig gerade darauf eine neue Empfindung von Genuss zu schöpfen.

Petra Bracht und Claus Leitzmann räumen auf mit Ernährungstrends, die vielleicht Traditionen entsprechen oder bestimmten wirtschaftlichen Interessen dienlich sein mögen, die aber keineswegs den evolutionären Grundlagen des Menschen entsprechen und seiner Gesundheit dienen. Dabei mag manche Erkenntnis über tierische und pflanzliche Lebensmittel für den ein oder anderen überraschend sein, aber Fehlinterpretationen und Falschmeldungen gewinnen auch durch beständige Wiederholung nichts an Wahrheitsgehalt. Bracht und Leitzmann präsentieren Fakten – sachlich, informativ, wissenschaftsbasiert – und befreien die pflanzlich orientierte Ernährung damit zugleich von jeglichem überflüssigem alternativ anmutendem Ballast. Ernährung ist nicht in erster Linie eine philosophische, sondern eine biologische Frage, auf die die Natur- und Lebenswissenschaften heute mehr Antworten denn je geben können. Es sind die biologischen Grundlagen des Menschen, die eine vollwertige, pflanzliche Kost als seine optimale Ernährungsweise definieren, und es sind die Regulatorien biologischer und physikalischer Kreisläufe, die begründen, warum von dieser Form der menschlichen Ernährung alle Lebewesen und vor allem unser Planet profitieren. Das ist das Leitbild, unter dem die Autoren ihre Leser und Leserinnen in ein neues umfassendes Verstehen der Zusammenhänge begleiten. Auf der Basis von Praxis und Forschung spricht „Klartext Ernährung“ Klartext: Eine gesunde Ernährung und eine nachhaltige Lebensweise sind untrennbar miteinander verbunden und bedingen einander.

 

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15. Juli 2020

Sven Plöger: Zieht Euch warm an, es wird heiß! Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von morgen lernen.

Westend Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2020. ISBN 978-3-86489-286-8

 

„Sven Plöger macht keine heiße Luft, sondern bewahrt angesichts der größten Herausforderung der Menschheit einen kühlen Kopf und seinen Humor. Der Meteorologe meines Vertrauens!“ sagt niemand geringerer als der Mediziner und Künstler Eckart von Hirschhausen über das Buch von Deutschlands bekanntesten Klima- und Wetterexperten über den Klimawandel als DIE Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Mit seiner ebenso sachlichen wie verständlichen, optimistischen wie mahnenden Betrachtung und Analyse des Klimawandels schaffte Sven Plöger es mit seinem neuen Buch auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Der Autor, der vor wenigen Wochen zudem mit dem NatureLife-Umweltpreis 2020 ausgezeichnet wurde, schreibt über die Zusammenhänge und Gründe, die zu Trockenheit, Waldschäden und Waldbränden, dann wieder zu Platzregen mit Hagel und Sturmböen führen – und deckt dabei hinsichtlich der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser Thematik immer wieder höchst stimmige Parallelen zur aktuellen Corona-Krise auf. Sven Plöger dramatisiert nicht, sondern erklärt die physikalischen Grundlagen des Klimawandels und entlässt den Leser mit der optimistischen Grundstimmung, dass das 1,5-Grad-Ziel – die Einsparung an CO2-Emissionen müssten dazu jedes Jahr so groß sein wie durch den Shutdown – absolut möglich wäre!

Der Diplom-Meteorologe zeigt in diesem Buch informativ und verständlich, wie unser Klimasystem funktioniert, skizziert Lösungsansätze, der Erderwärmung zu begegnen, und erkennt gerade die aktuelle Corona-Krise als echte Chance, die richtigen Weichen für unsere Zukunft auf diesem Planeten zu stellen. Mit Fakten und Anregungen zu diversen Themen unseres Lebensstils regt er zum Nachdenken an und skizziert dabei zugleich Wege zu einem gesünderen Leben – gesünder für uns und gesünder für unseren Planeten. Und er erklärt die menschlich-allzumenschlichen Gründe dafür, dass Veränderungen ein langer und steiniger Weg sind … Eine lohnende Lektüre – nicht zuletzt mit einem an einigen Stellen durchaus amüsanten und vor allem realitätsnahen Seitenblick auf Argumente und Kommunikationsformen der Klimawandelleugner, deren seit fast zwei Jahrzehnten immer gleichen Argumente der Autor geduldigst widerlegt und dabei gleichzeitig auf die wichtigsten Aspekte in der fachlichen und gesellschaftlichen Vermittlung dieser komplexen Thematik verweist: Nicht missionieren, sondern informieren lautet Plögers Devise – getragen von der Überzeugung, dass die Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema des Klimawandels Zeit braucht – und dass die Menschen auch heute absolut bereit sind, existentiellen Themen diese Zeit zu schenken, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse professionell und verständlich aufbereitet werden. Wer zu einem Thema wirklich etwas zu sagen hat, findet das Gehör der Gesellschaft – auch der Jugend, ist Sven Plöger überzeugt … und der aktuelle Erfolg seines Buchs scheint ihm dabei durchaus Recht zu geben!

 

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20. Juni 2020

Kurt Kotrschal: Sind wir Menschen noch zu retten?

Gefahren und Chancen unserer Natur

Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2020. ISBN 978-3-7017-3520-5

 

Das neue Buch von Kurt Kotrschal ist in gewisser Weise tröstlich - vor allem aber bietet es den Versuch einer Erklärung verschiedener Phänomene der gegenwärtigen gesellschaftlichen Realität, denen man dennoch trotz gewonnenem Metablick weiterhin unverändert mit Fassungslosigkeit begegnet. Oft genug mag man angesichts vollkommen unverständlicher, nicht nachvollziehbarer und scheinbar menschenunwürdiger Aktionen und Statements im Spektrum unserer Gesellschaft nahezu verzweifeln. Menschen sind von ihren biologischen Anlagen her vernunftbegabte Wesen, die sich ausschließlich in ihren kognitiven Fähigkeiten von anderen Säugetieren quantitativ (nicht qualitativ!) unterscheiden. Die Fähigkeiten zu reflektieren, logisch zu denken, rationale Entscheidungen zu treffen und das alles mittels Sprache hochdifferenziert zu kommunizieren, sind in der menschlichen Ausprägung einzigartig. Wie ist es nun möglich, dass ausgerechnet der Mensch mit diesen universalen biologischen Anlagen unfähig scheint, den öko-sozialen Problemen unserer Zeit angemessen zu begegnen und in einem allgemeinen Konsens Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und nachfolgend zu leben? Das neue Buch von Kurt Kotrschal beschreibt exakt diese Diskrepanz: „Tatsächlich steht der stammesgeschichtlich einzigartige geistige Höhenflug des Homo sapiens in einem absurd paradoxen Kontrast dazu, wie Menschen im Alltag funktionieren, was ihnen wichtig zu sein scheint. Ihr allzu oft irrational scheinendes Verhalten verursacht buchstäblich alle Probleme und Traumata von Mensch und Biosphäre. So kenne ich selbst Naturwissenschaftler, die Kupferarmbänder tragen, Horoskope lesen und homöopathische Globuli schlucken. (…) Menschen fällt es offenbar schwer, ihrer Ratio zu vertrauen, sie neigen stark zum Irrationalen.“

Die Begründung für diesen der menschlichen Natur offensichtlich immanenten tragischen Konflikt findet der Biologe in den evolutionären Wurzeln des Menschen und definiert den Menschen mit Blick auf die Stammesgeschichte einerseits als hochsoziales Wesen, das andererseits egoistisch seinen eigenen Vorteil wahren muss. Die vorrangige Aufgabe der Politik erkennt Kotrschal, 2010 als „Wissenschaftler des Jahres“ ausgezeichnet, in der Schaffung eines gesellschaftlichen Umfelds, das in der Lage ist, diese Gegensätze weitgehend zu entschärfen und gelangt in einer reichen, interdisziplinären Argumentationskette zu einem eindringlichen, gesellschaftspolitischen Plädoyer für die liberale Demokratie. Auf Basis des Wissens um die menschliche Natur ist sich Kurt Kotrschal sicher: Nur eine liberale Demokratie mit breiter Partizipation, Gleichstellung der Geschlechter und starker Gemeinwohlorientierung ist in der Lage, das Überleben des Menschen und des Planeten zu gewährleisten. Weder Patriarchat noch gewaltsame autoritäre Herrschaftsformen haben genug Lösungspotential, um die zahlreichen, auch radikalen Verhaltensänderungen auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene zu fördern, die heute notwendig sind. „Es braucht eine neue faktenorientierte, ,technokratische‘ Rationalität im besten Sinn, die aus der Einsicht über das Versagen und die negativen Auswirkungen der populistischen Politik an Bedeutung gewinnen wird. Der Schlüssel dafür liegt in der Bildung für beide Geschlechter in Balance zwischen technologischen und sozialen Inhalten, vor allem aber in einer gemeinwohlorientierten, demokratischen Organisation, die ja auch für die Natur des Menschen das Optimum darstellt.“

Lesenswert für all diejenigen, die nahezu täglich fassungslos Nachrichten und Statements verfolgen, deren Geist den humanistischen Idealen der Aufklärung diametral entgegensteht …

 

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7. Juni 2020

Marcus Täuber: Gedanken als Medizin. Wie Sie mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung mentale Selbstheilung aktivieren

Goldegg Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-99060-152-5

 

Die aktuelle Hirnforschung zeigt, dass Gedanken medizinisch wirken. Unser Kopf ist eng mit Immunabwehr, Entzündungen, Hormonen und Muskelspannungen verdrahtet. Wir können mit unserem Denken den Verlauf chronischer Erkrankungen verändern, Demenz verhindern und unsere Lebenserwartung um Jahre steigern.

„Gedanken als Medizin“ erklärt auf Basis der Neurowissenschaft, wie unser Denken und unser Mindset den Weg zu einem gesünderen Lebens weisen können, wie wir mit der Kraft unserer Gedanken Bluthochdruck verbessern, Schmerzen reduzieren und Entzündungsreaktionen hemmen können. Wie wir mit gezielt herbeigeführter Entspannung die Stressreaktionen unseres Körpers verringern und so einen langfristigen Schutz vor vielen Erkrankungen aufbauen können ... Ein gesundes Mindset hat wenig bis nichts mit positivem Denken zu tun. Täuber erklärt, warum das Klischee vom positiven Denken allein nicht schützt, welche Wirkung unsere Überzeugung hat, die Zügel unseres Lebens selbst fest in der Hand zu haben, und wie wir selbst mit der Software unserer Gedanken die Hardware unseres Gehirns so formen und gestalten können, dass am Ende bessere Ergebnisse – für unsere Gesundheit und unser gesamtes Dasein – herauskommen.  

Dr. Marcus Täuber ist promovierter Neurobiologe, Buchautor und Lehrbeauftragter an der Universität Wien sowie der Donau Universität Krems. In „Gedanken als Medizin“ stellt er über spannende Erkenntnisse der Hirnforschung hinaus die GAM-Meditation zur mentalen Aktivierung der Selbstheilung vor und zeigt, wie jede(r) durch Entspannung, Imagination und Spiritualität einen Zugang zu mehr Gesundheit finden kann. Den Anspruch seines Buches fasst er dabei selbst so zusammen: „Wissenschaft und Spiritualität sind keine Feinde. Ohne in die Welt von Auren und Engeln abzugleiten, lässt sich über die Hirnforschung verstehen, was Selbstheilung fördert und welchen Stellenwert unsere Gedanken haben.“

 

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