ZukunftLesen - Buchblog

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben!"

(Albert Einstein)

 

In  "ZukunftLesen" gibt's regelmäßig Lesetipps zu den unterschiedlichsten Fragen und Problemen, die die aktuelle gesellschaftliche Diskussion und unsere Zukunft bestimmen ... vielfältig, aber stets aus dem Blickwinkel von Verantwortung und (Menschen-)Würde ...

 

 

12. Jänner 2021

Johannes Gutmann, Robert Rogner, Josef Zotter: Eine neue Wirtschaft. Zurück zum Sinn

edition a, Wien 2020. ISBN 978-3-99001-419-6

 

Drei Autoren – drei renommierte österreichische Unternehmer: Johannes Gutmann, Robert Rogner und Josef Zotter skizzieren in ihrem gemeinsamen Buch „Eine neue Wirtschaft. Zurück zum Sinn“ Lösungsansätze und Wege aus einer vielfältig wahrgenommenen und in weiten Teilen der Gesellschaft unumstrittenen Sinnkrise des dominierenden wirtschaftlichen Denkens und Handelns. Bei manchen ist es nur ein Gefühl, für andere liegt es auf der Hand: Irgendetwas scheint mit unserer Wirtschaft nicht zu stimmen. Sie macht wenige Reiche immer reicher, während sie den Rest der Menschheit unter wachsenden Druck setzt. Sie fördert Pandemien und zerstört den Planeten.

Gutmann, Rogner und Zotter haben für ihre eigene unternehmerische Tätigkeit längst Alternativen gefunden, und ihre Biographien unterscheiden sich durchaus vom klassischen Unternehmertum: Johannes Gutmann gründete 1988 das Unternehmen SONNENTOR, das auf die Herstellung und Vermarktung von Kräutern, Tees und Gewürzen aus biologischem Anbau spezialisiert ist und heute als Vorzeigeunternehmen in Sachen Nachhaltigkeit und direktem Handel gilt. Robert Rogner leitete zehn Jahre lang das Rogner-Bad Blumau in der Steiermark, dessen Miteigentümer er war. Seit 2011 wirkt er als Vorstand des Institutes für Beziehungsethik, das sich mit der Sinnfindung von Unternehmen befasst. Josef Zotter ist Unternehmer und Chocolatier. 1987 gründete er das Zotter-Familienunternehmen, aus dem 1999 die weltberühmte Zotter Schokoladen Manufaktur entstand.

Ihr unternehmerisches Denken entspricht dabei keineswegs dem noch vorherrschenden Mainstream, sondern Gutmann, Rogner und Zotter zeigen Alternativen auf, bieten Hilfestellung, die notwendigen und richtigen Fragen zu stellen, und skizzieren mit ihrem ebenso visionären wie inspirierenden Denken Inhalte, aus denen heraus in jedem Einzelnen von uns eine neue Wirtschaft entstehen kann. Die Autoren zeigen zum einen mit ihren eigenen Biographien, zum anderen aber vor allem auch auf der Basis einer ganzheitlich geprägten Weltsicht, wie das eigene Denken, die eigene Überzeugung und das daraus erwachsende Selbstbewusstsein den Weg weisen können, in einer individuell erfolgreichen und gesellschaftlich wertvollen Art und Weise am Wirtschaftsleben teilzunehmen: als Mensch mit individuellen Stärken für andere Menschen mit eigenen individuellen Stärken, die einander ergänzen und letztlich fernab aufgeblähter Systeme real und im direkten Umfeld ihre Umsetzung finden. Gemeinsam appellieren die Autoren an ihre Leser und Leserinnen, zu einer bewussten Besinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zurückzufinden, und lenken den Blick dabei immer wieder auf die Sinnhaftigkeit des eigenen Daseins. Den Sinn des eigenen Lebens zu erkennen und letztlich zu leben, wird hier zum Urgrund sozialen und wirtschaftlichen Handelns, bei dem nicht mehr Reichtum und Konsum die entscheidenden Messwerte darstellen, sondern ein selbstbestimmtes sowie von Würde erfülltes und geprägtes Leben. Der Mut zu Neuem und das Selbstbewusstsein, dem eigenen inneren Auftrag zu folgen, sind die entscheidenden Voraussetzungen, ein überholtes und in seiner Endzeit befindliches System zu erneuern und mit einer zukunftsweisenden Sinnhaftigkeit zu erfüllen. Wie das geht? „Wenn wir eines Tages nach Hause kommen mit dem Gefühl einen erfüllten Tag erlebt zu haben, können wir diesem Gefühl nachspüren und herausfinden, wo es seinen Anfang genommen hat. Wenn uns unerwartet etwas wundervolles passiert, können wir uns überlegen, was wir getan haben, um diesen scheinbaren Zufall zu ermöglichen. Wir müssen uns nur darauf einlassen, unsere Wirkung auf die Umwelt bis in die kleinsten Sätze, Worte, Gesten und Zeichen hinein zu beobachten und müssen mutig sein für Neues.“ So einfach scheint der Weg in eine künftige Gesellschaft, in der die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns ein Bewusstsein dafür schafft, nicht arbeiten zu müssen, sondern zu dürfen … und so einfach könnte er tatsächlich sein, wenn es gelingt, die kraftvolle Inspiration, die von den Gedanken der drei Autoren ausgeht, mit eigenen, individuellen Inhalten zu füllen ...

 

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10. Jänner 2021

Barbara Prainsack: Vom Wert des Menschen. Warum wir ein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen.

Brandstätter Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-7106-0464-5

 

Im Umfeld der Covid-19-Krise ist das bedingungslose Grundeinkommen zu einem der viel diskutierten Themen unserer Zeit geworden – angesichts der realen Lebenssituation vieler Menschen erstmals unter vollkommen neuen Voraussetzungen. Dabei stoßen ideologisch begründete konträre Meinungen aufeinander: von der Überzeugung absoluter Notwendigkeit bis hin zur rigorosen Ablehnung – meist ungeachtet zahlreicher Stellungnahmen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Wissenschaft zu dieser Thematik, denn ein bedingungsloses Grundeinkommen ist mehr als eine wirtschaftspolitische Frage: Es ist der Schlüssel zu einem würdevollen Leben – unabhängig vom bezifferten Wert, den die Gesellschaft bereit ist, einem Menschen zuzugestehen, und mit weitreichenden positiven Folgen für das Wohlergehen der Gesellschaft und des einzelnen Individuums. 

„Vom Wert des Menschen“ von Barbara Prainsack ist eine ebenso ausführliche wie facettenreiche dialektische Auseinandersetzung mit der Thematik. Die Autorin, international renommierte Expertin für Technologiepolitik, erklärt verständlich zentrale Begriffe, deckt falsche Argumente auf und erhellt, wie die Umsetzung in Österreich, Deutschland und Europa gelingen kann. Ein Leitfaden für das Sozialsystem von morgen, bei dem eine Frage im Mittelpunkt steht: Wie viel ist der Mensch in Zeiten der Digitalisierung und tiefgreifender Umbrüche noch wert? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, stellt Barbara Prainsack die Sichtweise ganz unterschiedlicher Menschen aus den verschiedensten Gebieten dar. So entsteht schnell ein umfassender Überblick über die Vielzahl der Argumente und Meinungen, die die Autorin zugleich in einen größeren gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Kontext stellt. Dabei zeigt sich immer wieder – genauso wie in so vielen anderen Problembereichen unserer Zeit, dass die Wissenschaft der vorherrschenden gesellschaftlichen Meinung teils diametral entgegensteht. Es sind weitreichende Gedanken, die zum einen ein bedingungsloses Grundeinkommen befürworten, und die darüber hinaus echte Lösungsansätze für einige der größten Herausforderungen unserer Zeit bieten: „Ein Grundeinkommen würde also nicht nur die Möglichkeiten der sozialen und politischen Teilhabe erhöhen, sondern es wäre eine Art Pauschal-Abgeltung für jene Tätigkeiten, die Menschen zum Funktionieren unserer Gesellschaft beitragen“, schreibt die international ausgewiesene Expertin für Gesundheits-, Wissenschafts- und Technologiepolitik und verweist damit indirekt u.a. auf frauen- und familienpolitische Fragen und Probleme. Darüber hinaus spricht sie von einer neuen „Sinn-Ökonomie“, wenn sie die Thesen des amerikanischen Unternehmers Aaron Hurst wiedergibt: „Nun gebe es eine neue Triebfeder: die Suche nach Sinn und Selbstverwirklichung. Wenn die Grundbedürfnisse der Menschen erst befriedigt seien, argumentiert der Autor, ginge es vielen nicht mehr um ein höheres Gehalt oder um ein paar Tage mehr Urlaub. Es gehe darum, etwas Sinnvolles zu tun, um idealerweise die Welt ein kleines Stück besser zu machen.“ Sinnfragen versus Konsumrausch …

Barbara Prainsack ist Professorin am Institut für Politikwissenschaften der Universität Wien und lehrte zuvor am King’s College in London. Zudem berät sie die europäische Kommission zu ethischen Fragen neuer Technologien und ist u.a. Mitglied der Academia Europaea. Für die renommierte Wissenschaftlerin ist ein solidarisch motiviertes, bedingungsloses und universelles Grundeinkommen „ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung von Armut, Unfreiheit und Ungerechtigkeit, die aus wirtschaftlichen Erwägungen toleriert werden und die aufgrund der Corona-Krise endlich ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit gerückt sind.“

 

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5. Jänner 2021

Heide Schmidt: Ich seh das so. Warum Freiheit, Feminismus und Demokratie nicht verhandelbar sind

Brandstätter Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-7106-0485-0

 

An vielen Stellen überraschend und inspirierend, an manchen zum Innehalten anregend und zum Widerspruch herausfordernd, aber immer kompromisslos und konsequent in der Argumentation: Das ist das neue Buch der Juristin und ehemaligen Politikerin Heide Schmidt, die über Jahre hinweg den Liberalismus in Österreich prägte und die innenpolitischen Diskussionen maßgeblich mitgestaltet hat. Nachdenklich und persönlich erzählt die Autorin aus ihrem Leben und thematisiert vor allem die großen Herausforderungen unserer Zeit: den Umgang mit den Menschen, die zu uns kommen, die Klimakrise, die Folgen der Corona-Pandemie, die Bildung unserer Kinder, das Erstarken des Populismus, die Angriffe auf den Rechtsstaat. „Ich seh das so“ ist ein überzeugtes Plädoyer für Feminismus und für ein bedingungsloses Grundeinkommen, vor allem aber Zeugnis einer leidenschaftlichen Demokratin, die die Grundprinzipien und Mechanismen dieser Staatsform nicht nur zu Recht verteidigt, sondern gleichzeitig über alles stellt. In der aktuellen Krise stellt sich dabei allerdings tatsächlich die Frage, ob und wo auch hier die Grenzen liegen. Stehen fundamentale demokratische Rechte wirklich über dem unverhandelbaren Wert des Lebens? Hat nicht hinter dem LEBEN schlicht ALLES zurückzustehen, weil Leben die ethische und reale Grundlage jeder Staatsform ist? Auch die zentrale Bedeutung dieser Fragen hat sich während der Corona-Krise aktuell wie im Brennglas offenbart. Heide Schmidt fasst den Mechanismus demokratischer Entscheidungsprozesse treffend zusammen und richtet den Blick sogleich auf ein Ideal, von dem die Gegenwart seit Jahrzehnten unverändert weit entfernt scheint: „Dabei wäre alles leicht kommunizierbar, würden Entscheidungsprozesse ehrlicher und transparenter ablaufen, würde die Politik nicht – mit heftiger Unterstützung der Medien – als Match des Gewinnens und Verlierens inszeniert werden, sondern als das verhandelnde Ringen um Ergebnisse.“ Verhandelndes Ringen, ja! – bis zu der einen alles entscheidenden Grenze: der Unverhandelbarkeit des Werts des Lebens … und bis hin zu der sich anschließenden Frage, auf welcher Basis dieses Ringen geschieht und wie demokratische Entscheidungen getroffen werden. Freilich, in dem Idealbild, das Heide Schmidts kritischen Überlegungen zur Gegenwart zugrundeliegt, mag diese Frage sich zu Recht nicht stellen. Aber entspricht unsere Gesellschaft tatsächlich diesem Ideal? Was braucht es, damit wir wirklich über die absolute Reife verfügen, dieses Ideal zu leben und den Gefahren einer Ochlokratie, die bereits die Antike erkannte, zu entgehen? Fragen, die heute aktueller denn je scheinen, wenn nicht einmal mehr demokratische Prozesse an sich außerhalb der Diskussion stehen. Welche Mechanismen die Demokratie braucht, um sich in letzter Konsequenz vor sich selbst zu schützen, wäre eine weitere sich anschließende Frage. Heide Schmidt endet jedenfalls mit einer versöhnlichen Botschaft der Hoffnung: „Es geht darum, nicht aufzugeben.“

 

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16. Dezember 2020

Dr. med. Alexander Kugelstadt: „DANN IST DAS WOHL PSYCHOSOMATISCH!". Wenn Körper und Seele SOS senden und die Ärzte einfach nichts finden.

Mosaik Verlag, München 2020. ISBN 978-3-442-39358-9

 

Atemnot, chronische Verdauungsprobleme, Depressionen – das sind nur einige der vielfältigen Symptome, deren Ursache trotz intensiver medizinischer Diagnostik oft ungeklärt bleibt. Menschen fühlen sich krank und wissen, dass irgendetwas in ihrem Organismus nicht stimmt – der Arzt des Vertrauens und oftmals viele weitere Fachärzte können aber keinerlei körperliche Ursache für die Beschwerden finden. Das Herz rast – aber mehrere Kardiologen bestätigen übereinstimmend, dass das Herz gesund ist. Dabei handelt es sich keineswegs um Einzelfälle, sondern um einen beträchtlichen Anteil an Patienten. Was tun? In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für mögliche psychosomatische Erkrankungen, die hinter derartigen Symptomen stehen, deutlich gestiegen, und die Medizin verfügt im psychotherapeutischen Bereich heute über zahlreiche evidenzbasierte Möglichkeiten, Betroffenen zu helfen und gemeinsam einen Weg zurück zu Gesundheit von Psyche und Körper zu finden. Hinsichtlich der Selbstverständlichkeit, mit der Patienten dieses Angebot annehmen und mit der die Gesellschaft auf diese Thematik reagiert, besteht zweifellos noch Handlungsbedarf. Hier setzt das neue Buch von Dr. med. Alexander Kugelstadt an: In „Dann ist das wohl psychosomatisch!“ zeichnet der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ein umfassendes Bild der Situation, wenn kein Arzt eine Ursache für die Schmerzen und Symptome des Patienten finden kann, und skizziert die vielfältigen Lösungsmöglichkeiten, mit denen die moderne Medizin psychosomatischen Krankheitsbildern heute begegnet. Bodenständig und praxisnah informiert der Mediziner, der mehrere Jahre an der Berliner Charité arbeitete und heute am Institut für psychogene Erkrankungen der AOK in Berlin tätig ist, über die möglicherweise psychischen Ursachen körperlicher Symptome. „Das Vorgehen in der psychosomatischen Medizin ist immer ein Spagat: auf der einen Seite Linderung zu verschaffen, auf der anderen Seite Symptome zu verstehen und Erklärungen aus dem Unbewussten zu heben.“ So fasst der renommierte Mediziner die Herausforderungen seines Fachs zusammen, dem er das Potenzial einer „Beziehungsmedizin“ zuspricht, die sich in der klinischen Atmosphäre anderer medizinischer Fachgebiete nur schwer entfalten kann. In einer leicht lesbaren und allgemein verständlichen Sprache verbindet er dabei immer wieder medizinische Fakten mit gesellschaftlichen Realitäten, vor allem aber erklärt er die Zusammenhänge der unterschiedlichen Ebenen und Regelsysteme des Organismus und warum psychosomatische Erkrankungen keine Sackgasse sein müssen. Mit kleinen Erste-Hilfe-Tipps für die alltägliche Problemsituation ist das Buch ebenso ein wertvoller Ratgeber wie mit einem profunden Einblick in die psychotherapeutische Praxis. Kugelstadt schildert den Ablauf einer Therapie und spricht über die bedingungslos notwendige Kooperation von Arzt und Patient und das besondere Verhältnis im Spannungsfeld zwischen Vertrauen und Distanz, das einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren der Psychotherapie ist. „Dann ist das wohl psychosomatisch“ ist ein vertrauensschaffender Wegweiser für eine erfolgreiche psychotherapeutische Behandlung und darüber hinaus ein Plädoyer für ein medizinisches Fachgebiet, das seine Randposition längst verlassen hat und das zunehmend in den Fokus ärztlichen Handelns rückt. Darüber hinaus leistet das Buch einen Beitrag dazu, psychischen Erkrankungen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung die Relevanz zukommen zu lassen, die ihr Krankheitswert verlangt, um betroffenen Patienten die unerlässliche Hilfe zukommen zu lassen und das Gesundheitssystem nachfolgend durch eine Verringerung von Folgeschäden zu entlasten.

 

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25. November 2020

FLORIAN AIGNER: DIE SCHWERKRAFT IST KEIN BAUCHGEFÜHL. EINE LIEBESERKLÄRUNG AN DIE WISSENSCHAFT

Brandstätter Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-7106-0467-6

 

„100% frei von Unsinn, Aberglauben und Fake News“ – In seiner Liebeserklärung an die Wissenschaft hält Florian Aigner, was er verspricht: „Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl“ ist vermutlich eines der aktuellsten und wichtigsten Bücher des Jahres 2020, in dem uns neben Covid-19 insbesondere die in einigen Teilen der Gesellschaft verbreitete Mischung aus esoterischem Aberglauben, pseudowissenschaftlichem Geplapper und lauthals propagierten Erkenntnissen tausender Hobby-Virologen (manchmal auch echter Virologen, die den Pfad wissenschaftlicher Best Practice verlassen haben) nahezu täglich fassungslos macht. In seinem neuen Buch lädt der Physiker und Wissenschaftspublizist Florian Aigner seine Leser auf eine spannende Reise in die Welt der Wissenschaft ein: Stets humorvoll und unterhaltsam berichtet er von den großen Sternstunden der älteren und jüngeren Wissenschaftsgeschichte, von den großen Erkenntnissen, die uns erst das Leben ermöglichen, das wir leben möchten, von den Herausforderungen, wissenschaftliche Thesen zu beweisen und gleichzeitig immer wieder kritisch zu hinterfragen. Spannend und brandaktuell der Einblick in wissenschaftsphilosophische Fragen, wenn Aigner konsequent erklärt, wie und wann evidenzbasierte Kritik angebracht, erwünscht und notwendig ist und wie sie sich demzufolge von wertlosem Unfug unterscheidet. Umfassend beschreibt der Autor, wie Wissenschaft tatsächlich funktioniert, spricht von ihren Möglichkeiten und Grenzen, von dem steten Fluss, in dem sich der evidenzbasierte Erkenntnisgewinn befindet und gerade durch die Veränderungen, die neue Erkenntnisse bewirken, seinen Wert findet.

Wer dies Buch gelesen und verstanden hat, ist gegen pseudowissenschaftlichen Schwachsinn immun – wer es nicht verstanden hat, sollte sich u.a. auch nicht anmaßen, über die wissenschaftlichen Grundlagen der aktuellen Krisenbewältigung mitdiskutieren zu wollen. Spätestens an diesem Punkt stellt sich die Frage nach dem Schutz der Demokratie vor sich selbst: Wenn das hohe Gut der Meinungsfreiheit zur Legitimation eines Rechts auf eigene Fakten verkommt, befindet sich ein derart ausgehöhltes Demokratieverständnis in der Rolle rückwärts unterwegs Richtung Mittelalter ...

Insofern ist Aigners Werk über seinen unmittelbaren Inhalt hinaus ein Plädoyer für die Grundlagen einer funktionierenden Demokratie, denn „manche Meinungen sind fundiert und durch überprüfbare Fakten belegbar, manche Meinungen sind bloß ein vages Gefühl und manche Meinungen sind nichts als faktenverachtender Unsinn. Demokratie kann nur funktionieren, wenn wir zwischen diesen Kategorien unterscheiden. Dafür brauchen wir die Wissenschaft.“ Aigner zeichnet denn auch in weiten Teilen sehr bewusst ein menschheitsverbindendes Bild der Wissenschaft und stellt dabei insbesondere die Mathematik als die „Wissenschaft des Denkmöglichen“ in den Mittelpunkt. Ähnlich wie die Musik zeichnet er die Mathematik als die Wissenschaft, die keiner weiteren Sprache oder Definitionen bedarf, die allgemein verständlich und kulturübergreifend gültig ist. Mathematische Aussagen stehen außerhalb jeglicher politischer und ideologischer Diskussionen.

Wissenschaftsphilosophisch skizziert Aigner die Grundregeln logischen Denkens, die weit über den wissenschaftlichen Kontext hinaus allgemein verbindliche Lebensgrundlage sind. (Oder müssen wir heute bereits sagen „sein sollten“?) Der Physiker spricht über die Bedeutung des Messens und der Messbarkeit, über die eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit des Individuums, über die innere Logik und die Ansprüche der Wissenschaft an sich selbst. Dass die Homöopathie sich als degenerative Theorie dabei sozusagen selbst als gescheitert erklärt, erscheint angesichts des thematischen Füllhorns, das Aigner seinen Lesern offenbart, nur als kleines Detail am Rande.

In all diesen Themenbereichen stellt sich die Frage, wann wir endlich bereit sind, die gesellschaftlichen Konsequenzen zu ziehen. Am Ende plädiert der Autor denn auch entsprechend seiner umfassenden Arbeit als einer der großen Wissenschaftspublizisten unserer Zeit vehement dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um wirklich jede(n) an der weltumspannenden Arbeit der Wissenschaft teilhaben zu lassen. Zweifellos hat die Gesellschaft ein Recht darauf – aber ob es ausreicht in einer Welt, der es ganz offensichtlich nicht nur an einer uneingeschränkten und ausnahmslosen Akzeptanz von evidenzbasiertem Wissen mangelt, sondern zunehmend an einer noch weit tiefer liegenden und im menschlichen Sein verankerten – oder doch nicht so fest verankerten (?) – moralischen Integrität? Wissenschaft und Ethik sind die Eckpfeiler unserer Existenz. Werden diese Grundlagen negiert, ist unsere Existenz bedroht. Aigner leistet mit seinem neuen Buch einen wesentlichen Beitrag dazu, diese Formel im Bewusstsein zu stärken und unwiderruflich zu verankern. Die Lektüre ist ein MUSS im Jahr 2020!

 

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8. Oktober 2020

Sebastian Bohrn Mena: Besser essen. Wie wir über unseren Teller die Welt gestalten. Mit einem Vorwort von Jane Goodall

Goldegg Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-99060-179-2

 

Was wir auf unserem Teller haben, entscheidet mit über die Entwicklung der Welt. Sebastian Bohrn Mena, Ökonom und Publizist, der sich für Menschenrechte, Naturschutz und Tierwohl engagiert, ist insbesondere als Initiator des österreichischen Tierschutzvolksbegehrens einer großen Öffentlichkeit bekannt. Erst vor wenigen Tagen wurde ihm die Albert Schweitzer Medaille für humanitäre Verdienste verliehen. In seinem aktuellen Buch bietet er eine neue Perspektive für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Tieren und unserer Umwelt und macht Zusammenhänge sichtbar, die im gesellschaftlichen Alltag nicht unbedingt präsent sind. „Wenn wir im Restaurant ein Steak unbekannter Herkunft essen, essen wir auch den brandgerodeten Regenwald, das genmanipulierte Kraftfutter und das Leid der Tiere“, schreibt Bohrn Mena, der seinem eigenen Anspruch, den Leser zu informieren und dabei gleichzeitig verbindend zu wirken, durchgehend gerecht wird. Seiner Intention, Feindbilder zu überwinden und Brücken zu bauen, wird der Autor vollends gerecht, wenn er ein ungeschminktes Bild der realen bäuerlichen Existenz zeichnet und das enge Geflecht wirtschaftlicher Zusammenhänge beschreibt. Dabei bietet das Buch eine argumentationsreiche und umfassende Grundlage für selbstbestimmte Entscheidungen des Konsumenten, um letztlich zu einer packenden Vision eines umfassenden Wandels hin zu einer ökologisch-solidarischen Gesellschaft und einem leidenschaftlichen Appell, diesen unser Überleben sichernden Wandel GEMEINSAM zu vollziehen – fernab jeder ideologischen Parteipolitik als reife Zivilgesellschaft.

Sebastian Bohrn Mena zeigt, dass das unbewusste Konsumieren Kosten nach sich zieht, die Schäden an Tieren, Umwelt und Klima, den Niedergang der kleinbäuerlichen heimischen Landwirtschaft und die Verödung ländlicher Gebiete umfassen. „Für den Profit weniger Großkonzerne zahlen viele Menschen, Tiere und die Umwelt. Alles wird dem unbegrenzten Wirtschaftswachstum untergeordnet. Wenn wir noch länger die Augen vor dieser ungerechten Kostenaufteilung verschließen, wird die Last für unsere Nachkommen umso größer – doch wenn wir den Mut aufbringen, hinzusehen, können wir jetzt etwas dagegen unternehmen. Bohrn Mena appelliert an unsere Solidarität und macht klar: Als Individuum und im Kollektiv haben wir Macht, zu verändern und zu gestalten“, ist Bohrn Mena überzeugt. „Unsere Ernährung können wir in einer globalisierten und digitalisierten Welt unmittelbar steuern und entscheiden damit mit über die Entwicklung der Welt. Transparenz über Herkunft und Geschichte der Waren befähigt uns als mündige Konsumenten bewusste Kaufentscheidungen treffen. Mit vielen kleinen bewussten Handlungen können wir einen Beitrag zu einer anderen Welt leisten. Denn menschengemachte Probleme können vom Menschen gestoppt werden.“

Sebastian Bohrn Mena stellt in seinen Argumentationen viele einzelne Probleme in einen großen substantiellen Zusammenhang: in einer Sprache, die leicht zu lesen ist, mit wohldosierten Hintergrundinformationen, die das Gesagte belegen, ohne in eine wissenschaftliche Abhandlung zu rutschen. Dazu ist das Buch persönlich, feinsinnig und empathisch. Ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, schildert der Autor Momente des persönlichen Erlebens, betont den bedeutsamen Wert der eigenen unmittelbaren Erfahrungswelt, die das zu wecken vermag, was wirklich notwendig ist: MitGEFÜHL! Wir brauchen kein MitLEID, hervorgerufen durch abertausende Schocknachrichten in den (sozialen) Medien, sondern MitGEFÜHL mit der Natur und unseren Mitgeschöpfen. Dieses Mitgefühl entsteht, wenn wir mit anderen Lebewesen in Berührung kommen und die daraus entstehenden Empfindungen zulassen. „Es ist diese Form der Erfahrung, die zu einer inneren Veränderung führt“, ist Bohrn Mena überzeugt und appelliert, diese Veränderungen in uns über alle ideologischen und parteipolitischen Grenzen hinweg in die Welt zu tragen. „Danke, Sebastian, dass Sie dieses Buch geschrieben haben“ sagt denn auch niemand geringerer als die Forscherin und UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall, deren Geleitwort am Beginn dieser inspirierenden Lektüre steht.

  

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28. September 2020

Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens.

Goldmann Verlag, München 2020. ISBN: 978-3-442-31561-1

 

Mit Richard David Precht widmet sich einer der bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit einem der wichtigsten Themen für die Zukunft der Menschheit. In seinem aktuellen Buch mahnt der Vordenker, wahrscheinlich der einzige, der gegenwärtig dem klassischen Bild des Philosophen als Universalgelehrten entspricht, dass es angesichts des Tempos, mit dem der Einsatz künstlicher Intelligenz unsere Welt verändert, „höchste Zeit“ ist, „darüber nachzudenken, was Maschinen erlaubt sein darf – und was auf keinen Fall!“

Während die drohende Klimakatastrophe und der enorme Ressourcenverbrauch der Menschheit den Planeten zerstört, machen sich Informatiker und Ingenieure daran, die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz voranzutreiben, die alles das können soll, was wir Menschen auch können – nur vielfach »optimierter«. Ausgehend von völlig falschen Annahmen soll den Maschinen sogar eine menschenähnliche Moral einprogrammiert werden. Richard David Precht macht uns eindringlich klar, dass das nicht möglich ist. Denn unser Leben besteht nicht aus der Abfolge vorausberechneter Schritte. Wir sind viel mehr als das.

Dabei setzt Precht nicht nur Maßstäbe, sondern steckt das Themenfeld ab, das im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen stehen muss. Sprachlich und gedanklich feinst differenziert gelangt Precht über eine mehr oder weniger Generalabrechnung mit dem Silicon Valley zu einer eindringlichen Mahnung an die Menschheit und einem leidenschaftlichen Plädoyer für die liberale Demokratie, um letztlich konsequent die Sinnfrage menschlichen Lebens zu diskutieren. Die feinsinnige Unterscheidung zwischen Glück und Sinn, die differenzierte Argumentation, in der sprachliche Feinheiten die Gefahren vieler Entwicklungen – und vor allem jener, die sie vorantreiben – darstellen, und das bedingungs- und kompromisslose Statement, dass (menschliches) Leben nicht verrechenbar ist (im Übrigen auch eine der aktuellsten Thesen in Bezug auf die gegenwärtigen Corona-Diskussionen!), machen Prechts Essay zu einem zusammenfassenden Dokument der dringlichsten Fragen unserer Zeit, die schnell gelöst werden müssen – wenn wir sie noch als Menschen lösen wollen ...

Für Precht stehen angesichts der Entwicklungen und Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz nichts mehr und nichts weniger auf dem Spiel als die Menschenwürde: „Die perfekte, reibungslos funktionierende Logistik des Massenmords gilt uns als äußerste Form der Unmenschlichkeit. Und wenn zukünftig nicht mehr Menschen über den Lebenswert von Menschen richten, sondern Maschinen, ist der erste Grundrechtsartikel des [deutschen, Anm. d. Red.] Grundgesetzes das Papier nicht mehr wert, auf dem er steht.“

 

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8. September 2020

Marcus Wadsak: Klimawandel. Fakten gegen Fake & Fiction

Braumüller, Wien, ISBN 978-3-99100-303-8

 

Wer denkt beim Stichwort „Klimawandel“ noch an verzweifelte Eisbären auf dahinschmelzenden Eisschollen? Wir sind längst selbst davon betroffen. Hitzewellen, Dürren und sommerliche Tage im Spätherbst lassen keinen Zweifel mehr zu: Es wird immer heißer. Niemand hat diese Veränderungen unserer Umwelt genauer im Blick als der Wetterexperte Marcus Wadsak, Meteorologe sowie Radio- und Fernsehmoderator. Nach dem Studium der Meteorologie an der Universität Wien kam er zum ORF, war jahrelang Wetter-Anchor im Ö3-Wecker, moderiert seit 2004 das ZiB-Wetter und leitet seit 2012 die ORF-Wetterredaktion. 2019 wurde er zum Journalisten des Jahres in der Kategorie Wissenschaft gewählt. Er ist Gründungsmitglied von Climate without Borders.

 

Was passiert gerade mit unserem Planeten? Und vor allem: Was können wir tun, damit auch unsere Kinder und Enkel noch gut hier leben können? Dieses Buch ist eine kompakte Informationsquelle auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft – mit dem Alleinstellungsmerkmal, dass ein Großteil der zitierten Daten sich spezifisch auf Österreich bezieht. Natürlich werden diese Veränderungen darüber hinaus in einen europäischen und internationalen Vergleich bzw. Kontext gestellt. Gleichzeitig erfährt der Leser, warum Österreich stärler betroffen ist als andere Teile der Welt. Ebenfalls mit aktuellem Österreich-Bezug formuliert Wadsak die Hoffnung, dass „man also endlich auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse Politik machen will“ und zeichnet einfache Handlungsmöglichkeiten in den verschiedensten Lebensbereichen auf, die jeder als seinen persönlichen Beitrag zum bestmöglichen Umgang mit dem unaufhaltsamen Klima-Veränderungen unmittelbar umsetzen kann.

 

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21. August 2020

Klaus Nüchtern, Thomas Walach (Hg.): „Unser Land. Wie wir Heimat herstellen“

Falter Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-85439-667-3

 

„Es geht darum, abseits von Sentimentalität und Abwehraggression danach zu fragen, welche Heimatangebote unser Land all jenen Menschen machen kann, die hier leben wollen.“ So erklären die Herausgeber die Intention dieses Sammelbands mit Beiträgen unterschiedlichster Autoren, die sich dem hochemotional besetzten Begriff Heimat aus unterschiedlichen Perspektiven nähern. In analytischen – als herausragend sei hier stellvertretend die Analyse von Sybille Hamann erwähnt –, teils auch persönlichen Beiträgen treffen zwölf gedankliche Ansätze aufeinander, denen eine Aussage gemeinsam ist: Heimat ist nicht naturgegeben und unveränderlich, sondern etwas, das im Laufe eines Lebens aus vielerlei Aspekten der persönlichen Biographie entsteht. Eine Heimat zu haben setzt immer eine bewusste innere Einstellung und eine Auseinandersetzung mit der eigenen Weltsicht voraus.

 

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9. August 2020

Dr. med. Petra Bracht, Prof. Dr. Claus Leitzmann: Klartext Ernährung. Die Antworten auf alle wichtigen Fragen. Wie Lebensmittel vorbeugen und heilen

Mosaik Verlag, München 2020. ISBN 978-3-442-39359-6

 

„Klartext Ernährung“ hält, was der Titel verspricht: Die bekannte Ernährungsmedizinerin Petra Bracht und der renommierte Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann sprechen absolut Klartext und erklären ebenso umfassend wie strukturiert und verständlich, warum eine pflanzlich basierte Ernährung das optimale Werkzeug ist, die Gesundheit des Menschen zu erhalten oder in vielen Fällen auch wieder herzustellen. Auf gut 600 Seiten teilen sie ihr medizinisches Wissen und ihre praxisorientierte Erfahrung mit ihren Lesern und Leserinnen. 600 Seiten, die vor allem auf Grund der kleingliedrigen Strukturierung des Inhalts leicht lesbar sind und die darüber hinaus auch nach der ersten Lektüre dauerhaft als umfassendes Nachschlagewerk zu speziellen Fragen dienen können.

Im ersten Teil informieren die Autoren über den Weg zu einer optimalen Ernährung, bevor sie sich im zweiten Teil einem notwendigen Basiswissen über den menschlichen Organismus, seine biologischen Mechanismen und sein Verdauungssystem widmen. Teil drei schließlich liefert detaillierte Infos zu einzelnen Lebemsmitteln und Nährstoffen. Damit bieten die Ernährungsmedizinerin und der -wissenschaftler dem Leser eine notwendige Orientierung in der Vielfalt einander oftmals widersprechender Ernährungsempfehlungen verschiedenster Quellen und leiten den Blick insbesondere auf das Potenzial einer gesunden Ernährung, den Organismus vor Krankheiten zu schützen und ein bewusstes Leben zu führen - und gleichzeitig gerade darauf eine neue Empfindung von Genuss zu schöpfen.

Petra Bracht und Claus Leitzmann räumen auf mit Ernährungstrends, die vielleicht Traditionen entsprechen oder bestimmten wirtschaftlichen Interessen dienlich sein mögen, die aber keineswegs den evolutionären Grundlagen des Menschen entsprechen und seiner Gesundheit dienen. Dabei mag manche Erkenntnis über tierische und pflanzliche Lebensmittel für den ein oder anderen überraschend sein, aber Fehlinterpretationen und Falschmeldungen gewinnen auch durch beständige Wiederholung nichts an Wahrheitsgehalt. Bracht und Leitzmann präsentieren Fakten – sachlich, informativ, wissenschaftsbasiert – und befreien die pflanzlich orientierte Ernährung damit zugleich von jeglichem überflüssigem alternativ anmutendem Ballast. Ernährung ist nicht in erster Linie eine philosophische, sondern eine biologische Frage, auf die die Natur- und Lebenswissenschaften heute mehr Antworten denn je geben können. Es sind die biologischen Grundlagen des Menschen, die eine vollwertige, pflanzliche Kost als seine optimale Ernährungsweise definieren, und es sind die Regulatorien biologischer und physikalischer Kreisläufe, die begründen, warum von dieser Form der menschlichen Ernährung alle Lebewesen und vor allem unser Planet profitieren. Das ist das Leitbild, unter dem die Autoren ihre Leser und Leserinnen in ein neues umfassendes Verstehen der Zusammenhänge begleiten. Auf der Basis von Praxis und Forschung spricht „Klartext Ernährung“ Klartext: Eine gesunde Ernährung und eine nachhaltige Lebensweise sind untrennbar miteinander verbunden und bedingen einander.

 

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15. Juli 2020

Sven Plöger: Zieht Euch warm an, es wird heiß! Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von morgen lernen.

Westend Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2020. ISBN 978-3-86489-286-8

 

„Sven Plöger macht keine heiße Luft, sondern bewahrt angesichts der größten Herausforderung der Menschheit einen kühlen Kopf und seinen Humor. Der Meteorologe meines Vertrauens!“ sagt niemand geringerer als der Mediziner und Künstler Eckart von Hirschhausen über das Buch von Deutschlands bekanntesten Klima- und Wetterexperten über den Klimawandel als DIE Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Mit seiner ebenso sachlichen wie verständlichen, optimistischen wie mahnenden Betrachtung und Analyse des Klimawandels schaffte Sven Plöger es mit seinem neuen Buch auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Der Autor, der vor wenigen Wochen zudem mit dem NatureLife-Umweltpreis 2020 ausgezeichnet wurde, schreibt über die Zusammenhänge und Gründe, die zu Trockenheit, Waldschäden und Waldbränden, dann wieder zu Platzregen mit Hagel und Sturmböen führen – und deckt dabei hinsichtlich der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser Thematik immer wieder höchst stimmige Parallelen zur aktuellen Corona-Krise auf. Sven Plöger dramatisiert nicht, sondern erklärt die physikalischen Grundlagen des Klimawandels und entlässt den Leser mit der optimistischen Grundstimmung, dass das 1,5-Grad-Ziel – die Einsparung an CO2-Emissionen müssten dazu jedes Jahr so groß sein wie durch den Shutdown – absolut möglich wäre!

Der Diplom-Meteorologe zeigt in diesem Buch informativ und verständlich, wie unser Klimasystem funktioniert, skizziert Lösungsansätze, der Erderwärmung zu begegnen, und erkennt gerade die aktuelle Corona-Krise als echte Chance, die richtigen Weichen für unsere Zukunft auf diesem Planeten zu stellen. Mit Fakten und Anregungen zu diversen Themen unseres Lebensstils regt er zum Nachdenken an und skizziert dabei zugleich Wege zu einem gesünderen Leben – gesünder für uns und gesünder für unseren Planeten. Und er erklärt die menschlich-allzumenschlichen Gründe dafür, dass Veränderungen ein langer und steiniger Weg sind … Eine lohnende Lektüre – nicht zuletzt mit einem an einigen Stellen durchaus amüsanten und vor allem realitätsnahen Seitenblick auf Argumente und Kommunikationsformen der Klimawandelleugner, deren seit fast zwei Jahrzehnten immer gleichen Argumente der Autor geduldigst widerlegt und dabei gleichzeitig auf die wichtigsten Aspekte in der fachlichen und gesellschaftlichen Vermittlung dieser komplexen Thematik verweist: Nicht missionieren, sondern informieren lautet Plögers Devise – getragen von der Überzeugung, dass die Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema des Klimawandels Zeit braucht – und dass die Menschen auch heute absolut bereit sind, existentiellen Themen diese Zeit zu schenken, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse professionell und verständlich aufbereitet werden. Wer zu einem Thema wirklich etwas zu sagen hat, findet das Gehör der Gesellschaft – auch der Jugend, ist Sven Plöger überzeugt … und der aktuelle Erfolg seines Buchs scheint ihm dabei durchaus Recht zu geben!

 

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20. Juni 2020

Kurt Kotrschal: Sind wir Menschen noch zu retten?

Gefahren und Chancen unserer Natur

Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2020. ISBN 978-3-7017-3520-5

 

Das neue Buch von Kurt Kotrschal ist in gewisser Weise tröstlich - vor allem aber bietet es den Versuch einer Erklärung verschiedener Phänomene der gegenwärtigen gesellschaftlichen Realität, denen man dennoch trotz gewonnenem Metablick weiterhin unverändert mit Fassungslosigkeit begegnet. Oft genug mag man angesichts vollkommen unverständlicher, nicht nachvollziehbarer und scheinbar menschenunwürdiger Aktionen und Statements im Spektrum unserer Gesellschaft nahezu verzweifeln. Menschen sind von ihren biologischen Anlagen her vernunftbegabte Wesen, die sich ausschließlich in ihren kognitiven Fähigkeiten von anderen Säugetieren quantitativ (nicht qualitativ!) unterscheiden. Die Fähigkeiten zu reflektieren, logisch zu denken, rationale Entscheidungen zu treffen und das alles mittels Sprache hochdifferenziert zu kommunizieren, sind in der menschlichen Ausprägung einzigartig. Wie ist es nun möglich, dass ausgerechnet der Mensch mit diesen universalen biologischen Anlagen unfähig scheint, den öko-sozialen Problemen unserer Zeit angemessen zu begegnen und in einem allgemeinen Konsens Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und nachfolgend zu leben? Das neue Buch von Kurt Kotrschal beschreibt exakt diese Diskrepanz: „Tatsächlich steht der stammesgeschichtlich einzigartige geistige Höhenflug des Homo sapiens in einem absurd paradoxen Kontrast dazu, wie Menschen im Alltag funktionieren, was ihnen wichtig zu sein scheint. Ihr allzu oft irrational scheinendes Verhalten verursacht buchstäblich alle Probleme und Traumata von Mensch und Biosphäre. So kenne ich selbst Naturwissenschaftler, die Kupferarmbänder tragen, Horoskope lesen und homöopathische Globuli schlucken. (…) Menschen fällt es offenbar schwer, ihrer Ratio zu vertrauen, sie neigen stark zum Irrationalen.“

Die Begründung für diesen der menschlichen Natur offensichtlich immanenten tragischen Konflikt findet der Biologe in den evolutionären Wurzeln des Menschen und definiert den Menschen mit Blick auf die Stammesgeschichte einerseits als hochsoziales Wesen, das andererseits egoistisch seinen eigenen Vorteil wahren muss. Die vorrangige Aufgabe der Politik erkennt Kotrschal, 2010 als „Wissenschaftler des Jahres“ ausgezeichnet, in der Schaffung eines gesellschaftlichen Umfelds, das in der Lage ist, diese Gegensätze weitgehend zu entschärfen und gelangt in einer reichen, interdisziplinären Argumentationskette zu einem eindringlichen, gesellschaftspolitischen Plädoyer für die liberale Demokratie. Auf Basis des Wissens um die menschliche Natur ist sich Kurt Kotrschal sicher: Nur eine liberale Demokratie mit breiter Partizipation, Gleichstellung der Geschlechter und starker Gemeinwohlorientierung ist in der Lage, das Überleben des Menschen und des Planeten zu gewährleisten. Weder Patriarchat noch gewaltsame autoritäre Herrschaftsformen haben genug Lösungspotential, um die zahlreichen, auch radikalen Verhaltensänderungen auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene zu fördern, die heute notwendig sind. „Es braucht eine neue faktenorientierte, ,technokratische‘ Rationalität im besten Sinn, die aus der Einsicht über das Versagen und die negativen Auswirkungen der populistischen Politik an Bedeutung gewinnen wird. Der Schlüssel dafür liegt in der Bildung für beide Geschlechter in Balance zwischen technologischen und sozialen Inhalten, vor allem aber in einer gemeinwohlorientierten, demokratischen Organisation, die ja auch für die Natur des Menschen das Optimum darstellt.“

Lesenswert für all diejenigen, die nahezu täglich fassungslos Nachrichten und Statements verfolgen, deren Geist den humanistischen Idealen der Aufklärung diametral entgegensteht …

 

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7. Juni 2020

Marcus Täuber: Gedanken als Medizin. Wie Sie mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung mentale Selbstheilung aktivieren

Goldegg Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-99060-152-5

 

Die aktuelle Hirnforschung zeigt, dass Gedanken medizinisch wirken. Unser Kopf ist eng mit Immunabwehr, Entzündungen, Hormonen und Muskelspannungen verdrahtet. Wir können mit unserem Denken den Verlauf chronischer Erkrankungen verändern, Demenz verhindern und unsere Lebenserwartung um Jahre steigern.

„Gedanken als Medizin“ erklärt auf Basis der Neurowissenschaft, wie unser Denken und unser Mindset den Weg zu einem gesünderen Lebens weisen können, wie wir mit der Kraft unserer Gedanken Bluthochdruck verbessern, Schmerzen reduzieren und Entzündungsreaktionen hemmen können. Wie wir mit gezielt herbeigeführter Entspannung die Stressreaktionen unseres Körpers verringern und so einen langfristigen Schutz vor vielen Erkrankungen aufbauen können ... Ein gesundes Mindset hat wenig bis nichts mit positivem Denken zu tun. Täuber erklärt, warum das Klischee vom positiven Denken allein nicht schützt, welche Wirkung unsere Überzeugung hat, die Zügel unseres Lebens selbst fest in der Hand zu haben, und wie wir selbst mit der Software unserer Gedanken die Hardware unseres Gehirns so formen und gestalten können, dass am Ende bessere Ergebnisse – für unsere Gesundheit und unser gesamtes Dasein – herauskommen.  

Dr. Marcus Täuber ist promovierter Neurobiologe, Buchautor und Lehrbeauftragter an der Universität Wien sowie der Donau Universität Krems. In „Gedanken als Medizin“ stellt er über spannende Erkenntnisse der Hirnforschung hinaus die GAM-Meditation zur mentalen Aktivierung der Selbstheilung vor und zeigt, wie jede(r) durch Entspannung, Imagination und Spiritualität einen Zugang zu mehr Gesundheit finden kann. Den Anspruch seines Buches fasst er dabei selbst so zusammen: „Wissenschaft und Spiritualität sind keine Feinde. Ohne in die Welt von Auren und Engeln abzugleiten, lässt sich über die Hirnforschung verstehen, was Selbstheilung fördert und welchen Stellenwert unsere Gedanken haben.“

 

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